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Amerika ist voller Maschinen und Geister.
Taxigeister, Busgeister, Polizeigeister, Feuergeister, Zählerablesegeister,
Baumschneidegeister, Fünfeinhalbgeister.
Die Welt war einmal so dick von Geistern, daß ich kaum atmen konnte;
ich konnte kaum gehen, suchte humpelnd meinen Weg zwischen Weißen
Geistern und ihren Autos. Es gibt auch Schwarze Geister, aber sie haben
offene Augen und sind voller Lachen, deutlicher als die Weißen Geister.
(...)
Um Essen zu kaufen, müssen wir uns mit den Lebensmittelgeistern herumschlagen,
den langen Gängen im Supermarkt voller Einkaufsgeistern. Der Milchgeist
fährt seinen Lastwagen jeden zweiten Tag von Haus zu Haus. Wir verstecken
uns und sehen zu, bis der Lastwagen um die Ecke gebogen ist, die Flaschen
in ihren Kisten klappernd. Dann erst schließen wir die Haustüre
auf und holen unsere Milch.
Wir werden regelmäßig aufgesucht vom Postgeist, Gaszählerablesegeist,
Müllgeist. Von der Straße wegzubleiben, hilft garnichts. Sie
kommen und schauen uns ins Fenster Sozialarbeitergeister, Gesundheitsamtkrankenschwestergeister;
Fabriksgeister, die Arbeiter rekrutieren wollen; zwei Jesusgeister, die
früher in China gearbeitet haben. Wir verstecken uns direkt unter
dem Fenster, bis der Geist, der nach uns in seiner Geistersprache ruft,
so daß wir fast antworten, um seine schreckliche Stimme zu übertönen,
aufgibt. Sie versuchen nicht einzubrechen, nur ein paar Diebesgeister.
Die Obdachlosengeister und Alkoholgeister nehmen Pfirsiche von unseren
Bäumen und trinken vom Gartenschlauch, wenn niemand auf ihr Klopfen
antwortet.
Es scheint aber, als könnten die Geister nicht gut hören oder
sehen. Eingelullt von nützlichen Pflichten, die sie aus irgendwelchen
geisterhaften Gründen verrichten, schließen wir eines Morgens
nicht die Fenster, als der Müllgeist kommt. Wir sprechen laut über
ihn, zeigen auf seine haarigen Arme und lachen darüber, wie er seine
dreckige Hose hochzieht, bevor er seinen Schatz über die Schultern
schwingt.
"Schaut, schaut, der Müllgeist holt sein Essen!", schreien
wir und plötzlich sieht der Geist uns geradewegs an.
Übertragen aus: Maxine Hong Kingston: The Woman Warrior
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