LOTTERIEL gibt sich als schwangerer Fisch, aufgeblasen
durchschwimmt sie die Wimperntrichter der Spieler, geht ihnen ins Innere,
wo alles immer schwangerer zu werden verspricht mit diesem Tier mittendrin.
Magen und Galle ahnen für den Gewinnfall ein Höchstmaß
an Arbeit, auch Leber und Niere wissen, woran sie dann sein dürften.
Auge und Ohr machen schon immer mal ein wenig blau, und Hand und Fuß,
draußen, berühren sich gegenseitig verstohlen.
LOTTERIEL hat schon manchen arm gemacht. In
den allermeisten Fällen übrigens, ohne ihn zuvor reicht gemacht
zu haben. Aber selbst dann, wenn LOTTERIEL die erhoffte Million ins
Haus drückt, tritt oftmals Armut das Erbe an. Siehe Herrn X und
Frau Ypsilon. Auch mein eigener Bruder, der einmal in einer DDR-Lotterie
namens Telelotto einen Hauptgewinn verbuchen konnte, brachte es damit
zu nicht viel mehr als zu einem Klavier für seine Schwester (das
bin ich), einem rostigen Auto für seinen Bruder (der auch mein
Bruder ist) und einer Musikanlage, die ihm ob semiprofessionellen Betreibens
in einer DDR-Diskothek einen bleibenden Hörschaden eintrug. Auf
einem Ohr völlig ertaubt, hat er mit der verbliebenen Hörfähigkeit
des anderen Mühe, die Ansage der Gewinnzahlen zu vertehen. Trotz
allem tippt er und bingot und hofft auf neuerlichen Gewinn. Ist so das
Leben?
Apropos YPSILON: Anfang der 90er machte eine gleichnamige ZEITSCHRIFT
AUS FRAUENSICHT Furore, indem sie hielt, was sie versprach: Hatte
sich doch eine Anzahl Frauen allen Ernstes an die Verwirklichung des
Spaßes gemacht, sich ein eigenes Blatt zu leisten und auf dem
(im Osten) damals noch jungfräulich ungesättigt daliegenden
Markt zu etablieren. Allerdings reichte das Geld entweder für die
Herstellung des Produktes Frauenzeitschrift oder für deren Vertrieb.
Da nur vertrieben werden kann, was zuvor produziert wurde, entschieden
sich die Frauen für die Produktion und hatten das Schicksal des
schönen Kindes damit leider besiegelt: Es ging recht bald ein,
weil es potentielle LeserInnen nicht erreichen konnte. Zum Glück
erschienen einige wunderschöne Ausgaben. (Man mag mir diese Aussage
verzeihen, ist sie doch durch die Tatsache, daß auch ich eine
der Produzentinnen war, dazu angetan, ein stinkendes Eigenlob zu sein...)
YPSILON war ein typisches Produkt jener Zeit, denn die Stasi war maßgeblich
daran schuld: Der Verlag, in dem YPSILON ediert wurde, der Basis Druck
Verlag Berlin, hatte mit einem Titel namens "Ich liebe Euch doch
alle" einen ersten kommerziellen Erfolg gelandet und sah mit dem
Gewinn die Möglichkeit, den Frauen, die wir damals waren, die Zeitschrift
zu gönnen. (Das Buch enthielt eine Sammlung von Stasidokumenten
des Jahres 1989, der Titel entstammte dem Gestammel eines gewissen Herrn
Erich Mielke auf einem seiner letzten öffentlichen Auftritte als
Oberster Absicherer der finalen DDR-Verhältnisse.) Vielleicht gibt
es in einigen Bibliotheken oder Archiven Ansichtsexemplare? Vielleicht
kann sich, wer daran interessiert ist, sich auch beim Verlag noch die
eine oder andere Ausgabe besorgen? So schnell sollte YPSILON nicht vergessen
werden... Leider konnte auch Lotteriel nicht mehr helfen, die wir schließlich
bemühten, dem Ende des Projektes YPSILON zuvorzukommen. Wir tippten,
leider daneben. Die Million, die wir gebraucht hätten, verfehlte
uns.