LOTTERIE
Kathrin Schmidt
 

 

 

3.5.1999


 

 

I

herrschaft hat ein verhältnis herrschaft geht
fremd herrschaft wird in flagranti ertappt herrschaft
verbiestert die frau

schafft sich frieden nicht etwa indem sie die waffen
verschrottet die spitze zunge schreddert oder auch nur
dem verlorenen ei eine heimat schenkt nein sie kauft sich ein los

das sie ohnehin schon gezogen hat ganz ohne einsatz
das ihr den abend versüßt und die nacht salzt und am tage
sauer ans zäpfchen stößt ehe sie bitterlich stöhnt

weil der herr schöngesell kommt mit der neuesten zeitung
und einen guten tag wünscht derweil ihr tag sowieso ist
wie er ist und in ihrem topf die suppe grünt

die er gern äße zum mittag weil sie dann wenigstens
ein bißchen den deckel gelüpft ein wenig ausgeteilt hätte
ehe er austeilt

II


das ist wurzelgemüse was da aus dem loch in der decke dringt
was da doch schneller wächst als ich es mir hätte
träumen lassen von meinem vater oder seiner allezeit spielenden frau


jetzt seh ich genau wie da die möhren orangerot ausschlagen
in meine richtung wie die konen der petersilie sich auf mich zu
bewegen von den anderen auswüchsen ganz zu schweigen


da scheint was dran zu sein wie mir schwant wenn ich aufschau
und gar nicht mehr den blick lassen kann von dem zeug da oben
und nicht einmal mein aus der krankheit herüber bellendes kind


mich erreicht meine das eigene los umspielende kraft mich verläßt
und ich zu wissen beginne daß da oben die suppe wächst oder:
warum ich nie aus dem fenster schaue wie andere frauen

   

 

 
 

 

 

 

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