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Der Universalratgeber Schnepfenthal, Verlag Ernst Danson, ohne Ort und Jahr.
Katharina Hacker |
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29.1.1999 | |||
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Liebe Liebe ist das schwierigste Thema, das sich finden läßt. Darüber schreiben zu müssen, kann einen armen Menschen ebenso leicht in Verzweiflung bringen, wie die Liebe selbst dazu imstande ist. Heine, der in Sachen der Liebe gewiß kompetent war, sagt einmal: Was Prügel sind, weiß man schon, aber was die Liebe ist, hat noch niemand herausgebracht. In einem seiner herrlichsten Gedichte heißt es: Mein Herz ist wie die Sonne / So flammend anzusehen, / Und in ein Meer von Liebe / Versinkt es groß und schön. Das ist freilich wenig gesagt gegen jenen Dithyrambus des persischen Dichters Hafis, worin er uns glaubhaft machen will: Von der unerhörten Flamme, / Die in meinem Busen wütet, / Ist die Sonne nur ein Funke, / Der sich in die Luft geschwungen. Das steigt freilich so doch über alle occidentalische Ueberschwenglichkeit (vergl. Luftschlösser) hinaus, daß wir uns unfähig erklären müssen, ihm zu folgen, besonders, wenn sogar ein Goethe erklärt: Hafis, dir sich gleich zu stellen, / Welch ein Wahn! Und doch hat Goethe eine Definition vom Wesen der wahren Liebe gegeben, wie sie schöner nicht gedacht werden kann, indem er sagt: Das ist die wahre Liebe, die immer und immer sich gleich bleibt, / Wenn man ihr alles gewährt, wenn man ihr alles versagt. Wer diesen Grad von Liebe nur erreichen könnte! Im Sprichwort heißt es: Wahre Liebe kennt keine Eifersucht. In der Regel ist es aber ganz anders: Je heißer die Liebe, um so heftiger die Eifersucht. Man sieht, wie sehr der Ratgeber mit seiner Behauptung: die Liebe sei ein heikles Thema, im Rechte ist. Wir armen Menschen müssen uns mit ihr abfinden, so gut es gehen will, denn ein anderes Sprichtwort sagt: Der Liebe und dem Tode kann niemand entrinnen. Freiligrath singt: O lieb, so lang du lieben kannst, / O lieb, so lang du lieben magst; / Die Stunde kommt, die Stunde kommt, /Wo du an Gräber stehst und klagst. Man pflegt zu unterscheiden platonische (geschlechtslose) und geschlechtliche Liebe (s. Geschlechtsverkehr). Ueber Liebesleute, s. den Artikel Liebesleute, die keineswegs zusammenpassen. |
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