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Ein tanzender Ganesh mit schwingendem Rüssel kann für alles
werben. Er kann Menschen erziehen ("Nicht spucken oder pinkeln
steht auf Wänden unter seinem Ebenbild), er kann die leeren Kassen
der Künstler zum Klingen bringen zur Festzeit zeigen die Galerien
freie Stilisierungen, während in Sälen und Kulturzentren die
üblicheren Figuren in hundert-, gar tausendfacher Ausfertigung ausgestellt
werden. Ganesh, heute Ausdruck von unverbindlichem Frohlocken, ist so
etwas wie Mickey Mouse der indischen Massenkultur.
Nicht so in dem Tempel Siddhivinayak, der den heiligsten Ganesh der Stadt
beherbergt und zu dem jeden Dienstag 200.000 Menschen strömen. Zwar
schwirren am Fries der Galerie elektronische Lichterketten hin und her,
doch trotz Massenbetrieb hat sich eine Atmosphäre der Andacht gehalten.
Sanftes Sonnenlicht fließt über den eifarbenen Boden, verstärkt
die Farbe der allgegenwärtigen gelben Blumen. Gläubige reichen
den Priester nach zweistündiger Wartezeit ihre Opfergaben
Kokosnuß als Symbol des eigenen Egos, das dem geistigen Fortkommen
im Wege steht, Blumen, Süßigkeiten und Räucherstäbchen
als Symbol der Sinne. Die Priester legen die Gaben in effizienter Fließbandarbeit
auf die Balustrade vor dem Idol, lassen sie einige Sekunden dort liegen
und reichen sie wieder den Gläubigen. Hinter dem Gedränge vor
dem Idol sind viele im Gebet, in Meditation versunken.Wenn die Anstrengung
zu groß escheint, der kann Darshan (Betrachtung) oder Puja (rituelles
Gebet) über das Internet
erledigen
Hier, wo das Fest nicht religiös entkernt ist, kann ein Brahmane
daran erinnern, daß den alten Lehren gemäß weder große
Figuren, noch teure Aktivitäten nötig wären. Jeder Gläubige
kann das Ritual im Gedanken ausüben (Maras Puja), als reine Vorstellung,
ohne Kokosnüsse oder Süßigkeiten oder Räucherstäbchen.
Selbst die Blumen, die er überreicht, duften nur in der Phantasie
seiner Hingabe. Davon wollen die Gläubigen in den Schlangen vor dem
Tempel und vor den berühmten Mandals nichts hören. Und auch
der Vorraum neben der Straße spricht diesen Worten hohn: Hügel
von Kokosnüssen werden in zwei gehackt, in kleinere Stücke geschnitten
und schließlich mit einer etwas altmodisch aussehenden Apparatur
geraspelt. Die vielen offenen Handflächen müssen zum Abschied
gefüllt werden.
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