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Ganesha ist ein sympathischer, humorvoller Gott, niedlich mit seinem
Rüssel, seinen runden Augen und den etwas pummeligen Beinchen. Doch
sagt man ihm auch Verdrießlichkeit und Jähzorn nach, vor allem
jenen gegenüber, die ihm nicht den nötigen Respekt erweisen.
An allen wichtigen Feiertagen wird er zuerst um einen Segen angerufen,
und die Erstklässler lernen zuerst den Buchstaben G. Zudem fördert
er Bildung, die Künste, den kreativen Erfolg. Kein Wunder, daß
Ganesh das Götter-Ranking in Indien, vor allem in Bombay, klar anführt.
Ursprünglich war Ganesh ein Naturgeist, zuständig für die
Fruchtbarkeit der Felder. Den einst in den Dschungeln des südlichen
Indiens lebenden Stammesvölkern galt er in der bedrohenden
Gestalt eines Elefanten als "Erschaffer von Hindernissen",
eine Charakterisierung, die sich nach der Vermischung mit den aus Zentralasien
eingewanderten Ariern in ihr Gegenteil wandelte. Ganesh war wohl der letzte
Gott, der ins Hindu-Pantheon aufgenommen wurde. Zwar bedeutet sein Name
wortwörtlich "Gott der niederen Gottheiten", doch diese
theologische Klassifikation kann durch das im gläubigen Alltag befolgte
Prinzip der freien Götterwahl überwunden werden. Dann erscheint
er als wichtigster aller Götter, als allmächtig. Deswegen existieren
Erklärungen, er vereine den ganzen Kosmos in sich, wobei der Kopf
die Sterne, der Körper den Äther und die Füße die
Erde verkörpern. Oder: Der Torso, der menschliche Teil, verkörpere
die vergängliche Schöpfung, wogegen der göttliche Kopf
die Erlösung darstelle. Oder: Sein ganzer Körper symbolisiere
das magische Aum (Om); A für die Beine, U für den Bauch und
M für den Kopf.
Auch um die Geburt von Ganesh ranken sich viele Legenden: Seine Mutter
Parvati hat den Sohn einst aus dem Schorf ihres Körpers unter Hinzunahme
von Salben, Ölen und Gangeswasser geformt, weil ihr ein Freund und
Begleiter fehlte, der nur ihr zur Treue verpflichtet war. Dann bat sie
ihren Sprößling, ihre Gemächer zu bewachen und niemanden
hereinzulassen, denn ich gedenke, ein Bad zu nehmen. Just zu diesem Zeitpunkt
kehrte der Ehemann Shiva, der Gott der Zerstörung, heim. Zu seinem
Erstaunen wurde er von einem frechen Burschen daran gehindert, seine Frau
aufzusuchen. In Rage zückte er sein Schwert und köpfte den Aufmüpfigen.
Zum Trost versprach er Parvati, den Kopf des ersten lebenden Wesens auf
den enthaupteten Leib zu setzen, der ihm im Wald begegnen würde.
Es war ein Elefant!
Das heutige Fest verdankt seine Existenz dem Nationalisten Bal Gangadhar
Tilak, der Anfang des Jahrhunderts nach Wegen der kulturellen Selbstbehauptung
suchte, die nicht unter die Verbote der britischen Kolonialregierung fielen.
Das bis dahin nur privat gefeierte Ganeshfest bot eine volkstümliche
Möglichkeit, Identität und Selbstwertgefühl zu stärken.
Vor mehr als hundert Jahren wurde Ganesh zum ersten Mal öffentlich
ausgestellt, angebetet und nach zehn Tagen in einem Gewässer versenkt.
Über die Jahrzehnte mag sich die Motivation geändert, der Charakter
gewandelt haben Volkserziehung hat Massenkultur Platz gemacht ,
doch ist die Begeisterung im westlichen Indien unvermindert. In diesen
Tagen bestimmt Ganesh über alle Götter und Menschen.
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