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Dort, wo das restliche Jahr über Autos parken, sitzen Idole unter
einer Plastikplane in Reih und Glied. Hunderte von ihnen, bemalte Skulpturen
aus Gips und Kokosnußfasern. Ganesh hat auf einem Globus Platz genommen,
im Schneidersitz, unter seinen Beinen der indische Subkontinent. Er trägt
einen rosanen Bauch und einen roten Schleier, sein Rüssel leuchtet
mit metallischen Sternen. Einige Jugendliche bepinseln noch die Fußnägel
des Gottes die Arbeit der Werkstatt von Mr. Khatu, einem der führenden
Ganesh-Skulptoren Bombays, wird bald vorbei sein; sie endet an dem Tage,
an dem das Fest zu Ehren des Elefantengottes beginnt.
Vor vier Monaten wurde Mr. Khatu von altbekannten Kunden in seiner Werkstatt
besucht Mitglieder eines der 12.000 Mandals Bombays, jener straff
organisierter Vereine, die zur Festzeit in einem Provisorium am Straßenrand
ein Ganesh-Idol aufstellen und alle möglichen Aktivitäten organisieren,
von Riten über Essaywettbewerben bis hin zu Kriegsinszenierungen.
Finanziert werden sie dabei von Bürgern, Firmen, Politikern und Gangstern.
Der Präsident, der Schatzmeister und der Sekretär des Chandanwadi-Mandals
nahmen in dem kleinen Büro Platz. Sie legten ein Album mit Fotos
der Idole aus vergangenen Jahren auf dem Tisch, als Grundlage für
ein Gespräch über Veränderungen und Neuerungen. Einige
Vorschläge hatten sie mitgebracht. 25 Fuß hoch sollte der Ganesh
dieses Jahr werden. Wir wollen, sagte einer der Männer, den größten
Ganesh in Bombay. Mr. Khatu zeichnete und rechnete. Ganesh würde
mit einem Fuß auf eine riesige Trommel stehen, das zwei Bein in
tanzender Bewegung. Und er würde 150.000 Rupien kosten, mehr als
5000 DM. Der Vorschlag wurde angenommen, der Auftrag erteilt.
Nun, am späten Vorabend des ersten Festtages, warten die Idole darauf,
abgeholt zu werden. Der letzte Monsunregen hämmert auf die Plane
und ergießt sich auf die drängende Menschenmenge. Kurz nach
Mitternacht rollt der Zwanzigtonnen-Laster des Chandanwadi-Mandals, drapiert
in Bannern und Bildern, milimetergenau durch die Gasse, auf seiner Ladefläche
vier Trommler und etwa fünfzig bis in die Knochen durchnäßte
Aktivisten. Doch die Begeisterung ist unvermindert die Gaben des
Gottes entsprechen den Gaben des Himmels. Wie eingefleischte Fußballfans
skandieren, singen, gestikulieren und tänzeln die jungen Männer
im Wettstreit mit anderen Lastwägen. Der riesige Ganesh, nach einem
kurzen Ritual transportbereit, soll mit purer Menschenkraft auf den Lastwagen
gehievt werden. Der Sockel wird angehoben, Stimmen stoßen Ganpati
in die Höhe. Auf glitschigem Grund, mit vielen kleinen Schritten,
schwankend, trippelnd, wird Ganesh in die Nacht hinaus getragen. "Haltet
das Idol, haltet das Idol. Stützt ihn. Von hinten." Schließlich
steht das Idol eingewickelt auf der Ladefläche und die heisere Fahrt
nach Hause beginnt.
Neben der großen Werkstatt verkaufen an der Hauptstraße viele
Buden und Kioske Miniaturidole für den familiären Gebrauch.
Die Lastwägen haben einen Stau verursacht, durch den Fußgänger
mühsam Karren schieben, darauf Mädchen mit glitzernden Hütchen
und Buben mit Dämonenfratzen. In jeder Nische tanzen junge Männer
mit roten Armen, roten Händen, roten Gesichtern und Haaren. Inmitten
all dem Trubel, weit nach Mitternacht, versucht ein braver Vater seine
zwei Töchter, unisono in rosanen Regenschutz gekleidet, mit der einen
Hand zu halten, während die andere Hand Ganesh in sein neues Gasthaus
eskortiert.
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