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Sortieren: Da wäre
erstens der griechisch-römische Götterkosmos. Hier haben die Götter
wesentlich die Aufgabe, lebenserhaltende Gewalt zu zivilisieren. Da kommt
auch schon der Barbar, die Bedrohung dieser Zivilisation, der nicht zwischen
den Gewalten unterscheiden kann. Diese Tradition mündet in humanistischer
Bildungsanstrengung, die möglichst schon mit der Muttermilch eingesogen
werden sollte. Der Verbündete wäre in diesem Fall das Erziehungssystem,
der Gebildete der ideale Partner für das nächste Jahrtausend.
Gut, der griechisch-römische Götterkosmos scheint uns nicht mehr
viel zu bedeuten. Möglicher Weise nimmt er gegenüber anderen mythologischen
Ordnungen keine hervorragende Stellung mehr ein. Möglicher Weise ist
es uns inzwischen egal, von welcher Seite die Gewalt ausgeht.
Zweitens: Die jüdisch-christliche Tradition. Eine hervorragende Tradition.
Immerhin hat sie schon seit über zweitausend Jahren Bestand und deshalb
gute Chancen, uns auch über das Millenium zu tragen. Wir verdanken
ihr das immergültige Gesetz, den Zentralismus, die Institution und
überhaupt den Raum eines allgemeinen Menschen. Zeitweise auch der Ort
des Staates, Beginn der inneren Gewalt. Welt der Söhne. Schade, daß
es keine ernsthafte Koalition zwischen Marxismus und Katholizismus gegeben
hat. Gut, in diesem Falle wäre der Partner zur Zeit die katholische
Kirche. Schwieriger Partner. Zumindest zur Zeit. Hier müßte man
auf einen neuen Papst warten. Aber es könnte sich lohnen.
Dritter Glaube: der Aberglaube. Neuplatonische Tradition. Mystizismus. Zeitweise
synkretistisch im Katholischen aufgehoben, bis Reformation und Gegenreformation
den kosmologischen Volksglauben ausgelöscht haben. Beinahe zumindest.
Hierher gehört die Geschichte der Sekten und der Technognosis. Furchtbarer
Partner, aber vielleicht der stärkste zur Zeit. Hierher gehört
die Ökobewegung, die spirituelle Esoterik, vielleicht das ganze New
Age. Die Gesänge der Technokids. Die Utopisten des kybernetischen Zeitalters.
Und natürlich die Anhänger der neurolinguistischen Programmierung.
Merwürdiger Weise scheint jede, wie auch immer geartete, Bewußtseinserweiterung
fundamental asozial zu sein. Die Grünen, vielleicht der deutlichste
politische Ausdruck dieser Kraft, versuchen, diese ihre Herkunft zu verleugnen.
Muß man mal abwarten.
Vierter und letzter Strang: Moderne. Von mir aus ein eigener Strang. Protestantischer
Strang. Die heimische Bibel als erster Bürocomputer. Heute vielleicht:
das Kapital als Medium. Aufklärung durch Freihandel. Sind eigentlich
alle Liberalen Protestanten? Auf jeden Fall ein hohes Maß an Rationalität.
Vom Maschinenmenschen bis zum irdischen Paradies ist in dieser Tradition
alles möglich, was eine Technokratie versprechen kann. Merkwürdiger
Weise hat sie die Angewohnheit, sich permanent selbst zu korrumpieren. Deswegen:
Vorsicht, dieser Strang ist katasthrophisch organisiert. Eigentlich ein
interessanter Strang, als Partner aber unzuverlässig.
Eigener, vielleicht vergessener Strang: Das Mönchswesen. Aufopferung
an den Rhythmus. Völlig für sich, aber beständig. Hier bin
ich.
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