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Zu Anfang scheint er wie der
andere im Irak, schleichend, unsichtbar, später dunkler Bildschirm,
Lichteffekte, Feuer, sagt man, die Tragfläche eines Flugzeugs am Boden,
später drei POWs, lebende Beispiele in fremder Hand, unglaublich, schrecklich.
Natürlich, sagt die Highschool-Lehrerin des einen, helfen wollte er
immer schon, und die mexikanisch-amerikanische Familie des anderen betet,
daß er die Foltern übersteht, wahrscheinlich, denn er stammt
aus Gangland, ist Härte gewöhnt.
Tagelang wird Kousouwou nun buchstabiert als Schicksal dreier Soldaten,
und wo ist der Krieg, was soll dort sein und müssen wir dort hin? Was
geht uns an, warum Familien, Völker sich bekriegen, ethnische Konflikte
nie gehört, Streit seit Hunderten von Jahren, wer soll das verstehen?
Also ist Krieg die Mutter der Chicagoer Serbin und die Tochter sitzt am
Telefon voll Angst: Mama, was ist los? Und Mama aus Belgrad beruhigt, und
die Tochter weint und weiß nicht mehr wohin, welcher Identität
sie nun gehört. Und Krieg ist das Bild der stillenden jungen Frau,
Baby an der nackten Brust auf der Titelseite eines Magazins und dann, Mama,
warum ist überall Dreck, warum haben die Leute kein Haus? Mama, was
ist der Krieg? Mama, im Autoradio habe ich wieder Kousouwou gehört.
Wo ist der Krieg? Ich will nicht, daß er zu uns kommt. Und im Kindergarten
sammeln sie Seife, Zahnpasta und bürsten, damit zumindest die
Hände und Zähne der Flüchtlinge gesäubert sind. Meine
Tochter weint, als ich nicht sofort in den Drugstore gehen will, Kousouwou
ist nicht egal, Mama, die Menschen brauchen.
Und was denkst du vom Krieg, fragt der haitianisch-amerikanische Arzt besorgt,
und gottseidank setzt dann das Schießen in den USA wieder ein und
der Krieg rückt nach hinten, wird kürzer, Alltag, gewohnt und
es geht jetzt um unsere Kinder, die sich selbst bedrohen, mit den Waffen
der Eltern, doch das ist kein Grund, nicht Waffen müssen fort, nur
die Schlösser besser, arme Teenager, so verwirrt von TV und Computerspiel,
und seit Monaten beschießt man den Irak und seit Wochen ist nun Belgrad,
einmal mehr, meist weniger davon.
Die Schlagzeilen der Zeitungen hinter Glas sprechen längst wieder von
Betrug.
Aber dann kommt Onkel Jesse mit der Sensation, daß Beten hilft, und
er reicht dazu Milosevic die Hand, sehr schön, und alle drei POWs sind
plötzlich frei und es tanzen die Schwarzen in Kirchen und auf Flugplätzen,
denn Gott hat gesiegt und der Bildschirm ist voll, weinende Mütter,
Schwestern, Tanten, diesmal vor Glück, gekreuzt mit den Tränen
der Mütter, Schwestern, Tanten von Opfern der Teenage-Schiessereien.
Wo ist der Krieg?
Er rutscht schließlich von Platz 1 sogar auf der Suchmaschine, mit
der täglich meine Arbeit beginnt, und den Websites und dem Briefverkehr
aus Belgrad fehlt nun der Strom. Abends sehe ich Nachrichten über die
neueste Schiesserei im Land, den täglichen Gang-Mord in der Stadt,
den Wettbewerb im Schieben von Lastwägen, Rollen von Traktorreifen,
und das weinende Gesicht der Wrestler-Schwester, welcher mitten im Akt verstarb
und sind Handys nun schlecht oder nicht für Ihre Gesundheit und Gott
sei Dank, das Wetter wird schön, die Grillsaison beginnt, Memorial
Day. Wo ist der Krieg?
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