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Die Schweiz hat sich bereit erklärt, gerademal 2500 Flüchtlinge
aus dem Kosovo aufzunehmen im Gegensatz zum unvergleichlich viel
ärmeren Albanien, das dem Flüchtlingsstrom keine numerische
Grenze setzt. Seit Beginn des Jahres haben 10.000 Flüchtlinge aus
dem Kosovo in der Schweiz Asyl beantragt. Da die Regierung ihnen die Einreise
verwehrt hat, waren sie gezwungen, illegal in die Schweiz einzureisen
und an der Grenze Asyl zu beantragen. Statt ihnen ein Visa zu erteilen,
damit sie mit in der Schweiz ansässigen Familienangehörigen
in Kontakt kommen konnten, hat man sie in die Arme der Mafia gedrängt.
(Aussage des Leiters des Flüchtlingshilfswerk Schweiz, Christian
Levrat in LE TEMPS 20.5.99)
Der verstaubte, aus dem Mittelalter stammende Mythos der Schweizerischen
Neutralität hatte schon während des Golfkrieges bei der Diskussion
um ein Für und ein Wider die Beteiligung der Schweiz an einem Embargo
gegen Irak Risse bekommen. Das Zaudern und sich Zieren beim Embargo gegen
Jugoslawien obwohl diesmal (fast) alle Massnahmen (ausser der Ölausfuhr,
mit der Begründung, die Schweiz habe kein Öl zu verkaufen....)
mitunterzeichnet worden sind zeigt einmal mehr, wie obsolet diese
alte, vermottete Fahne in einer ökonomisch, politisch und kulturell
weltweit vernetzten Welt geworden ist.
Im Toggenburg (ein kleines Tal in der Ostschweiz, wo ich ursprünglich
herkomme, deshalb ist mir diese Geschichte um so peinlicher!) hatte die
IG Holz eine prächtige Idee: Der St. Galler Regierungsrat stellte
einen Kredit von 250.000 Fr. für Soforthilfsmassnahmen für Kosovo-Flüchtlinge
bereit. Die FDP-Fraktion des Regierungsrates stellte den Antrag, die 250.000
Fr. zweckgebunden einzusetzen, und zwar für Fertigbauhäuser,
gebaut aus Toggenburger Holz. "Der IG Holz zufolge hätten die
Häuserelemente im Toggenburg fertiggestellt und verpackt, dann in
die Krisenregion transportiert, dort aufgestellt werden und den Vertriebenen
als wintersichere Unterkunft dienen sollen. "Eine Box für sechs
Personen käme auf etwa 35.000 Fr. zu stehen", sagte Adolf Fäh,
Toggenburger FDP-Kantonsrat und Präsident der IG Holz. Nicht eingerechnet
sind dabei die Transportkosten, da sie nach Ansicht der Initianten den
Bestellern anfallen würden. FDP-Kantonsrat Fritz Rutz bezeichnete
die beantragten 250.000 Fr. als "Initialzündung" und warb
mit dem Hinweis auf Breitenwirkung für die Idee: "Der Kanton
St. Gallen als Initiator einer schweizweit, vielleicht sogar europaweit
praktizierten Idee: Was wollen Sie mehr?" rief er in den Saal. Wobei
er gegenüber dem Tages Anzeiger betonte, dass eine schweizweite Produktion
für ihn erst in Frage komme, wenn die Kapazität der Toggenburger
Holzwirtschaft ausgeschöpft sei." (Tages Anzeiger, Mitte Mai
1999) (Auf den Kopf gefallen waren die Toggenburger noch nie, aber soviel
Schlaumeierei hätte ich ihnen dann doch wieder nicht zugetraut.)
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