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3. Elektrischer Stuhl
Dreimal legte man den Schalter um.
Ich, hinter der Maske, preßte die Zähne zusammen.
Mein Ellbogen rutschte in eine Kuhle in der Armlehne des Stuhls.
Meine toten Kumpel bauten ihn für mich.
Wir waren gleich stark, das fühlte ich beim ersten Mal.
Beim zweiten Mahl biß ich mir die Zähne aus.
Beim dritten Mal kroch es mir in die Augen. Ich riß sie auf.
Man war ratlos, zunächst.
Man wagte es noch, mich zu hassen.
Man verdächtigte den Stuhl, die schon Toten.
Dann sprach das Gesetz, schnell und eindeutig:
Wer dreimal seinen Tod überlebt, der gehört dem Gott.
Man sollte mich für immer einsperren, sagten manche.
Andere fragten, ob ich Jesus sei.
Ich antwortete: nein.
Da ließen sie mich gehen.
Mein Anwalt managt seitdem meine Tournee.
Wir treten in Schulsälen und Einkaufszentren auf.
Wie die Welt sei nach dem Tod besehen.
Klein, antworte ich.
Mein Gehirn hat Schaden genommen, sage ich.
Ich vermute es nur, ich weiß es nicht.
Das Sprechen fällt mir schwer, deshalb.
Aber ich hoffe, mein Anwalt übt noch mit mir.
Und irgendwann, sage ich, werde ich so gut sprechen können wie Sie.
Ich glaube, sage ich, dann erst werde ich wirklich auferstehen.
Alle nicken und applaudieren lange.
Ich sitze am Tisch und versuche zu lächeln.
Auch das fällt mir noch etwas schwer.
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