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Joachim Helfer, SPD: "...der Nachtzug aus Basel rollt durch Sottrum
bei Bremen..." "...zum ersten Mal seit Wochen nicht Mittag für
Mittag Pressekonferenzen geschaut, nicht den vor redlicher Empörung
überhaupt nicht mehr blassen Rudolf Scharping..."
Scharping ist jetzt fürwahr Mittag für Mittag puterrot. Redliche
Empörung hingegen gibt es in meinem Wahnsystem nicht.
Joachim Helfer, SPD: "...hinlänglich bekannte und glaubwürdig
verbürgte Zahlen..."
In meinem Wahnsystem nicht denkbar.
Joachim Helfer, SPD: "In einem guten Drama haben alle Figuren recht.
Der Balkankrieg aber ist kein gutes Drama, sondern ein Schurkenstück
von der miesesten Sorte, in dem wenigstens einer ganz eindeutig unrecht
hat und Unrecht tut."
Laut schreie ich seinen Namen aus meiner Gummizelle hinaus: Hans-Dietrich
Genscher, FDP.
Joachim Helfer, SPD: "...verläßt auch Thorsten Ahrend,
mein Lektor, den Raum." "Beim Wein im Gasthaus Kreuz sitze ich
zum ersten Mal allein..." "Könnte kotzen... Ich träume
schlecht, sehe immer wieder Thorsten Ahrends breites Kreuz..." "Ich
sage Srebrenica und merke, daß er es verdrängt hat denn
gelesen wird er es ja haben." "...bin im linken Frankfurt der
Siebziger auch mit Chilenischen Emigranten aufgewachsen." "Spät
fällt mir ein, daß er mit einer Vietnamesin lebt, ich dagegen
mit einem Sohn deutsch-jüdischer Emigranten." "...das Obszöne
an der lauen Reaktion vieler deutscher Autoren: Die berufsbedingte Neigung,
persönliche Motive verstehen zu wollen, alles erklären, alles
entschuldigen zu wollen (das heißt alles, bis auf das Tun der eigenen
Regierung, die man sich so tatenarm und gedankenschwer wünscht, wie
man selbst ist...)..."
Könnte so auch in meinem geschlossenen Wahnsystem nicht besser formuliert
worden sein: Alles erklären und entschuldigen bis auf das Tun der
eigenen Regierung. Danach lebe ich. Und keine Regierung hat mir dies so
unabdinglich erscheinen lassen wie die derzeitige.
Joachim Helfer, SPD: "Der Skandal ist, daß wir einen Handke
in der hoffentlich nahen Zukunft nach Krieg und Milosevic gebraucht hätten,
um Brücken zu den Serben zu bauen, ihnen die Hand zu reichen, sie
ins europäische Haus zu holen; daß er sich durch die fahrlässige
Beschädigung seiner Integrität untauglich für diese wichtige
Aufgabe macht."
Mein Irrenhaus: Helfers europäisches Haus.
Joachim Helfer, SPD: "...Weltgerichtsbarkeit..." "Und
natürlich trifft man dabei fast immer die Falschen, Thorsten, ja
doch, leider. Wir Deutschen wissen, was Luftangriffe sind, das Gesicht
unserer Städte, unsere Eltern und Großeltern erzählen
es uns." "Der Zug rollt durch die Nachkriegsviertel am Hamburger
Hafen. Wer sich vorstellen kann, wozu Menschen fähig sind, muß
hoffen, daß sie daran gehindert werden. Und wenn es Russen und Chinesen
nicht paßt, daß sich die NATO zum Weltpolizisten aufschwingt,
dann sollen sie gefälligst mithelfen dabei; der Job ist schwer genug."
Ich bin ein Alien. Und werde, nach Adolf Muschg, ins Sprechzimmer gerufen.
Joachim Helfer, SPD: "Lieber Thomas Meinecke, ich hätte allerdings
gehofft, daß ein sich selbst dem linken Spektrum Zurechnender den
Satz 'Wo Recht zu Unrecht wird...' mit 'wird Widerstand zur Pflicht!'
ergänzt."
Befund: Nicht zurechnungsfähig.
Joachim Helfer, SPD: "...meine Hoffnung in Deine Fähigkeit,
einen Irrtum zu erkennen."
Umsonst.
Joachim Helfer, SPD: "Jedenfalls stellt er sich gegen die sittlichen
Normen der zivilisierten Welt (von der Solidarität unter Publizierenden
... einmal ganz abgesehen...) und befindet sich ... bereits mitten in
der totalitären Praxis."
Nämlich in Helfers Vollzugsanstalt.
Joachim Helfer, SPD: "...und versteigst Dich im selben Atemzug zu
der Behauptung 'Ich bin gegen den Krieg. Und Du bist eben nicht gegen
den Krieg.' Das ist so unterirdisch gemein und demagogisch und selbstgerecht,
daß ich die größte Mühe habe, diesen Kommunikationsversuch
nicht abzubrechen..."
Ich bin gegen den Krieg. Und Dr. Helfer ist eben nicht gegen den Krieg.
Joachim Helfer, SPD: "Landesverrat habe und hätte ich Dir im
Traum nicht vorgeworfen. Sondern den Verrat an den Forderungen der UN-Charta,
die Forderungen der Vernunft, der Aufklärung und des simplen Anstands
sind. Du hast keinen Anti-Kriegs-Text geschrieben." "Was Du
geschrieben hast, ist eine aggressive Anti-NATO-Hetze." "Nicht
Liebe zum Frieden spricht aus Deinen Zeilen, sondern Lust an Verschwörungstheorien
und brutalste Demagogie. Kleine Kotzprobe gefällig?" "Du
liest in Texte hinein und aus Texten heraus, was Du lesen willst; nämlich
Beweise Deiner unverrückbaren Vorurteile, Verschwörungstheorien
und Ressentiments."
Verschwörungstheorien sind fester Bestandteil meines zwanghaften
Wahnsystems.
Joachim Helfer, SPD: "Diese Lese- und Argumentationstechnik ist
nun aber ... systematisches Merkmal und sicheres Erkennungszeichen aller
geschlossenen, totalitären Gedankengebäude. Wobei es mir am
Ende des totalitären Jahrhunderts eigentlich zuwider ist und sinnlos
erscheint, über die 'Couleur', wie Du das nennst, dieses, Deines
Wahnsystems zu spekulieren. (Nicht, daß ich Dir diesbezüglich
Rechenschaft schuldete, aber weil Du Nebensachen in Klammern zu schätzen
scheinst und Dir schon die Mühe machst, über 'selbst Deiner
politischen Couleur' zu spekulieren: Ich bin seit meinem sechzehnten Geburtstag
Mitglied der SPD. ...)"
Okay, vielleicht sollten wir doch lieber vom Wetter reden. Wie
Du siehst, Joachim Helfer, habe ich Deinen "Kommunikationsversuch"
bereits meinerseits abgebrochen, bin Deinen geschlossenen Anstalten gleichsam
entsprungen, habe mich gar nicht weiter zu argumentieren bemüht,
obwohl es mir schwerfiel, an entsprechender, besonders absurd anmutender
Stelle Deines Textes nicht wenigstens des israelischen Außenministers
Scharons schwerwiegende Einwände gegen den NATO-Angriff auf Jugoslawien
zu zitieren, habe auch keine nebensächlichen Klammern gesetzt. Nun
könntest Du, im Gegenzug, Deinerseits davon absehen, ernstgemeinte
kriegsgegnerische Zuschriften wie die meinen als quasi abwaschbare Unterlage
für Deine monologischen Propaganda- beziehungsweise moralischen Rechtfertigungs-Manöver
zu mißbrauchen.
Darin fand ich (wenngleich nicht verschieden und noch immer mit beiden
Beinen fest auf der Oberfläche stehend) den neuen Beitrag Helmut
Kraussers gut. Er hat das kleine Scharmützel zwischen ihm und mir
(das politisch auch nicht mehr hergab als unser beider Schriftwechsel,
aber, wie ich denke, beiden Beteiligten wenigstens Spaß gemacht
hat), kurz bevor es nicht nur der NULL-Leserschaft, sondern wohl auch
Krausser und ganz bestimmt mir langweilig geworden wäre, beendet.
Ich will ja nicht wieder "gönnerisch" erscheinen, aber
das fand ich klug. Den Zug hätte ich selbst gern gemacht. (War eigentlich
für heute geplant.)
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