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| Ol' Dirty Helmet Thomas Meinecke |
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10.5.1999 | |||
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Ol' Dirty Helmet! Die Bombardierung Jugoslawiens gehört gestoppt! Nun: Was hast Du mir mitzuteilen? Du merkst an, in meinem NULL-Beitrag vom 26. April beurteilte ich "gönnerisch-oberflächlich
die Arbeit anderer". Der (logisch unangenehme) Eindruck des "Gönnerischen"
mag dadurch entstanden sein, daß ich in erster Linie auf der Suche
nach NULL-Texten bin, die mir gefallen, der (mir hingegen ganz und gar
nicht unangenehme) Eindruck des "Oberflächlichen" dadurch,
daß mich an diesem Medium hier (wie an der ganzen Welt) genau die
Oberfläche (in diesem Fall der Bildschirm) interessiert. (Du dagegen,
am 5. April in NULL besingst vollmundig Deine "schöpfende"
wie "zerstörende" "Bohrtiefe", welche "Außenstehende"
lediglich als "energetischen Zustand" wahrzunehmen in der Lage
seien.) Meine ungeschützte, sozusagen spielerische Neugier auf eventuelle
Internet-spezifische Textformen, die Du als meine Forderung auslegst und
"arg dumm" findest, steht natürlich in absolutem Gegensatz
zu Deiner fertigen Vorstellung vom gleichbleibend statischen Charakter
sprachlicher Strukturen in ihren jeweiligen, gedruckten, phonetischen
oder elektronischen Manifestationen. Zur Angabe durch Absage: Ich bin gleichfalls angefragt worden, bei dem von Dir angesprochenen Projekt der Zeit mitzuwirken. Habe, wie Du, auch abgesagt. Verstehe nur nicht, wie (und vor wem) sich damit prahlen läßt. Dein neuerliches Bezugnehmen darauf, daß Dir Döring in den frühen achtziger Jahren ein, wie Du zu betonen nicht müde wirst, "kümmerliches Suhrkamp-Dasein erspart" habe, scheint mir tatsächlich allein in psychologischer Hinsicht interessant zu sein und soll hier, nach Deinem erklärten Wunsch um diesbezügliche Ruhe meinerseits, auch keine weitere Rolle spielen. Wozu Du dann aber doch, noch eben kurz, Rainald Goetz ins Spiel bringst, der gegen mich Gold sei, und zu dem Du am 3. März in NULL noch kokett bemerktest: "Wer ist denn dieser Goetz, ist das der aus den frühen Achtzigern, immer noch?" (Goetz ist aber jetzt der aus den späten Neunzigern.) Nun zu der Stelle, wo Du, Ol' Dirty Helmet, gegen meine nur knappe
Andeutung (eigentlich eher das Antäuschen einer Kritik) Deiner bourgeois
antiquierten wie machistisch lärmtönenden Selbstinszenierung
als Großkünstler, die Du sogleich als den "Wein zu hoher
Trauben" zu preisen Dich nicht entblödest, aufbegehrst. Und plötzlich bin ich ein "vom Land geflohener Welterklärer"
und weiß gar nicht, was das ist. (Befinde ich mich nun unter Wasser?
Auf dem Wasser? Auf einer Bohrinsel etwa?) Um kurz darauf allerdings klipp
und klar zu erfahren, daß Ol' Dirty Helmet, im Gegensatz zu
mir (als vom Land geflohenem Welterklärer), etwas von Musik verstünde,
zu der sich nämlich Pop verhielte wie (autsch:) "das Comic zur
Literatur". (Gefolgt von einem saloppen Eingeständnis, auch
mal Mist wie Radiohead und Fat Boy Slim zu hören.) Der Großkünstler
würde aber, so schreibt er, "lieber andauernd mit Ekstase beliefert
werden, als irgendwo in den Randnischen der Neuen Musik danach fahnden
zu müssen". (Wer liefert da nicht ab? Schließlich:) "Ich
fand sogar FSK mal gut, aber daran war wohl die persönliche Bekanntschaft
schuld. Ich mag Scharlatane, die wissen, daß sie welche sind. Und
umgekehrt." Meinst Du mit der Vokabel "umgekehrt", daß
auch ich (versehen mit der Zuschreibung: Scharlatan, der wußte,
daß er einer ist) Dich einstmals schätzte? Wäre nicht
falsch. (Riecht aber schwer nach achtziger Jahren.) Die Coda Deines Textes eröffnet mit einem seufzenden Bedauern der
"Zeitverschwendung", mich in Deinen öffentlichen Tagebüchern
(wie Du es nennst:) "angepisst" zu haben. (Warum Zeitverschwendung?
Weil ich mich, nach wie vor null Bohrtiefe, um keinen Deut gebessert habe.)
Abgesehen davon (als wolltest Du mich kurz vor dem Ende noch mit einem
kleinen original Krausserschen Sample belohnen) hebst Du an: "Ich
glaube, wenn von diesem und dem nächsten Jahrtausend dem Zeitenfeuer
etwas widersteht, dann sind es meine Tagebücher." Um Dich kurz
Ohne Scheiß, Helmet: Der ist es! (Aber er schreit nicht.) |
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