Mein erster Flug
gefunden von Jo Lendle
 

 

 

6.12.1999


 

 

Auf einer Seite unseres Hauses war Wüste
Und auf der anderen, nach Osten hin
War reinstes Paradies.
Das blieb mir verborgen, bis ich beim Trampolinspringen
Auf dem Garagendach landete, als Hobbyastronaut,
Neun Jahre, aufgeschürfte Knie von der harten Landung.
Ich sah mich um, benommen. Ein Windhauch
Hauste im Ahorn, ein einmotoriges Flugzeug
Hing am Kondensfaden in der Dämmerung.
Das war 1961. Ich fragte: "Ist das für uns?" und meinte das Scheffel Sterne,
Hingeworfen, mit kalten, pulsierenden Dornen. Der Mond war ein Tigerzahn,
Auf beängstigende Weise gekrümmt. Ich ging hin
Und her auf dem First, mit ausgebreiteten Armen.
Ich sah meine Katze, meinen Hund, und sie sahen mich, womöglich mit Ehrfurcht,
Denn sie hoben ihren Blick zu mir auf.

Jetzt ist 1999, das Ende des Jahrtausends,
Auf jeden Fall das Ende meiner Knie.
Die Sprünge sind lange vorbei. In jedem Knie ächzt ein rostiger Riegel –
Wie würden sie die Sprengkraft eines straffgespannten Trampolins lieben.
Ich sehe die Kinder, wie sie springen, fallen, wieder springen.
Könnte ich nur auf Dächern sitzen, im Sommer,
Könnte ich nur Shuttle gucken – welchen Hebel zieht der Pilot, die Pilotin
Um sich zum Lachen zu bringen? Ich sitze – buchstäblich – im Dunkeln,
Eiswürfel klirren in meinem Tee. Die Grillen singen im Gras,
Bald wird das münzglänzende Shuttle abheben
Und verschwinden. Meine Freunde, meine Pilger in voller Montur,
Was werdet ihr zu berichten haben?

Gary Soto, © NASA 1999, Deutsch von Jo Lendle

 

 

 
 

 

 

 

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