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Man hat mir als Kind den Dritten Weltkrieg versprochen.
Bevor ich Zungenküsse kannte, wußte ich die Reihenfolge meiner
Tode. Zunächst der Blitz, der zum Erblinden führte, als Zeichen,
es sei nun zu spät. Dann, in dieser Reihenfolge, Sturm, dessen Druck
das Trommelfell zerstört und die ganze Fläche des Körpers,
Hitze, mit sich ablösender Haut, zuletzt Strahlung, wie aus Hohn
über meine zusammengekauerte Leiche. Manchen Nachmittag lag ich auf
dem Teppichboden des Wohnzimmers, ein möglichst kleines, querschnittarmes
Ereignis in Erwartung umstürzender Regale. Vor den Fenstern gingen
friedlich die Menschen, drinnen lag ich in unerklärtem Krieg. In
Faltblättern vom Zivilschutz warfen sich junge Männer in weißen
Hemden auf den Boden, gleich nach dem Blitz. Man schlug vor, sich noch
die Aktenmappe überzulegen, ich hatte keine Aktenmappe und glaubte
nicht daran. Jede Bedeckung würde sich einbrennen. Wir rechneten
mit einem frühen Ende. In der Schule schlug jemand ein Wiedersehen
in zehn Jahren vor. Wir anderen lächelten. Es ist dann nicht dazu
gekommen, zum Krieg. Aber ich gehe noch heute bei plötzlich hellem
Licht in die Knie.
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