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Ohrgeräusche sind bekannt. Ein Summen, Flirren, Ohrensausen,
alles schon gehabt, alles überhört. Und die Geräusche beim
Schäfchenzählen, ihr trockener Aufprall, wenn sie über
das Gatter schlagen. Unhörbar für Nachbarn. Alles innen, alles
zum Anfassen nah. Und nie weiß man, ob man sich die Ohren dabei
zuhalten soll. Furchteinflößende Namen: Trommelfell, Paukenhöhle,
Amboß. Man müht sich ab, nichts darauf zu geben. Aber die Geräusche
bleiben, und man wird fahrig darüber. Beim Putzen die Frage, warum
überall Wasser laufen muß. Und dann ist es doch wieder nur
das innere Rauschen gewesen. Warum auf den Glasreinigerflaschen der Hinweis
fehlt, man möge beim Spiegelwischen besser die Augen schließen,
vor dem eigenen Anblick, bleibt ungeklärt. Alles offen, alles ohnehin.
Wer singt da?
In letzter Zeit dröhnt häufig ein einzelner, bleibender Ton
heraus, der metallisch klingt, voll, auf ehrfurchterregende Weise bekannt.
Er scheint von oben zu kommen. Der Ton meldet sich überraschend,
beim Kämmen, am Fenster, an der Fußgängerampel unterbricht
er das tickende Blindensignal. Ich bin kurz davor, ihn zu erkennen. Gesprächen
weiche ich mehr und mehr aus, es ist den Gegenübern anzusehen, daß
mein Horchen sie bestürzt. Einer tadelte mich, ich würde unablässig
summen. Seitdem bleibe ich überhaupt, wo ich bin.
Nur heute morgen war ich noch einmal unterwegs. An den Straßenrändern
Menschen, als würden sie rufen. Es war im Bus aber nichts davon zu
verstehen, die Fenster waren geschlossen. Im Hallenbad zogen wir uns schweigend
um, nur einmal hörte ich diesen Ton, wie von ganz nahe. Ich schwamm
meine Bahnen, wenn man den Kopf dabei unter Wasser hält, läßt
sich alles klar verstehen. Die abgedämpften Stimmen, die ruhigen
Schritte der Bademeister, meine Schwimmzüge. Und, in der Mitte des
Beckens, auf einmal wieder der Ton, den ich jetzt erkenne, unter Wasser
matter, aber so nah, daß das Wasser vibriert, der Gong zur Ankündigung
der Wellen.
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