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Einer
kauft am Jahresanfang ein Getränk. In der Wochenmitte steht er wieder
im Laden und will sein Pfand zurück. Die haben wir nicht, schiebt ihm
die Verkäuferin das Glas zurück. Unten am Boden kleben noch Reste
vom Getränk, er hat die Flasche gestern erst geleert. Aber das beweist
nichts. Er geht von Laden zu Laden. Überall weist man ihn ab.
Zuhause stellt er die Flasche vor sich auf den Tisch, auf dem Etikett steht
Mehrweg. Eine Liste von Zutaten, die schon nicht mehr gilt. Die Flasche
sieht heimatlos aus. Auch er könnte nicht mehr sagen, ob die gestrige
Flasche ohne Zweifel wie diese ausgesehen hat. Er ist sich nicht länger
sicher. Hat er sie tatsächlich selbst gekauft? Er schraubt den Deckel
ab und riecht hinein. Ein stiller, süßlicher Geruch. Und alle
haben die Flasche abgewiesen. Die heilige Nacht fällt ihm ein. Er nennt
die Flasche Jesus. Er schraubt den Deckel wieder zu und legt sie leer in
den Kühlschrank.
Beim nächsten Einkauf merkt er sich den Laden. Gleich zuhause bindet
er mit einer Schnur der neuen Flasche ihren Kassenzettel um den Hals, wie
man ein Blumensaat-Tütchen ins Frühbeet steckt. Auf dem Bon steht
Edeka, das ist der Laden. Er legt die Flasche zu Jesus.
Später öffnet er die Kühlschranktür. Als die Flasche
ausgetrunken ist, besitzt er einen Trumpf. Er hat den Laden in der Hand,
sein Pfand ist ihm sicher. Aber vorher geht er neue Flaschen aus anderen
Läden holen, er befestigt die Kassenzettel daran und trinkt. Im Kühlschrank
liegt schon eine ganze Gemeinde. Wenn er die Türe öffnet, zittern
ihre Schilder. |
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