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Lieber Oswald, herzlich
willkommen
Jawohl. Genau. Der Mehrwert. Der Prospekt. Der erhoffte Gewinn für
die nennen wirs ruhig: Zumutung in einem Forum zu schreiben, in
einer Arena.
Wichtig war mir die Feststellung, daß Tastatur Tastatur
bleibt. Schreiben nichts anderes, und gut schreiben dann
ergibt sich der Rest, oder sagen wir besser: dann ergeben sich Möglichkeiten
eines Mehrwerts. In gar nicht vorhersagbarer Form. (schachdeutsch: Neuerung)
Debatte, Flirt, Wettkampf, Streit, Parade. Viel ist möglich.
Wahrscheinlich bedarf es dann immer noch eines Glücksfalls. Aber
zuerst: Schreiben. Bloß nicht originell sein wollen. Bildchen malen,
Texte mit möglichst vielen Links aufplustern, jaja ganz nett. Bringt
doch nix. Schreiben bringts. Vielleicht. Mit dem nötigen Ernst fängt
der Spaß erst an.
Man hat hier einige Kollegen kommen und schnell wieder gehen
sehen. Andere, Angekündigte, sind gar nicht erst aufgetaucht. Einige
konnten mit NULL offensichtlich nichts anfangen, andere schonten ihre
Einfälle für bessere Besoldung, wieder andere reagierten nur
auf Texte, stellten selbst kein medienspezifisches Textmodell vor. (Zu
recht; das gibt es so auch nicht.) Einige benutzten unsre Bildschirme
als Dichterclub-Pinnwand, andere drückten endlich mal aus, daß
Krieg echt scheiße ist. Und wieder andere schickten wirklich
nur das, was ihnen der Lektor gerade herausgestrichen hatte. (Nebenbei,
Rechtschreibreform: Wenn Tip jetzt Tipp, dann Rap jetzt Rapp? Oder was?)
Ich meine, daß Pool kein schlechtes Ding ist. Zwar
hocken da konsequent handverlesen alle mir verhaßten unterbelichteten
möchtegernschriftstellernden Pseudostyle-Poptrash-Jungens rum, aber
merkwürdigerweise liest man selbst deren Gewäsch mit einer Art
Ekelfaszination. Warum?
1.Weil es schnell geht. 2.Weil da alles zusammengehört. Aufeinander
reagiert. Das Schlechte auf das Gute und umgekehrt. Weil der Mist manchmal
Mist im landwirtschaftlichen Sinne ist und die Plattform düngt.
Weil (wie ich glaube) aus Wut auf soviel Schwachsinn und Jämmerlichkeit
dort hin und wieder echte Perlen entstehen. Eitelkeitsperlen.
Die schreiben auch alle umsonst.
Nicht wie hier, wo einige anscheinend meinen, sie müßten für
die symbolischen 150 Mark auch tatsächlich Literatur im Wert von
150 Mark abliefern.
WERBEEINBLENDUNG!!!!
RECHTZEITIG ZUR BUCHMESSE ERSCHEINT VON HELMUT KRAUSSER IM BELLEVILLE-VERLAG
MÜNCHEN GEDICHTE '79 '99
Ich habe an diesem Medium hier ziemlich viel Spaß.
Doch. Ja. Auch wenn ich damals aufhören wollte, als Zombie-Tom mir
diesen Spaß beinah vermiest hätte.
Andere sagen jetzt, das wars aber doch genau! Ja, für euch vielleicht.
Was zählt denn ihr?
Egal.
Spaß. An genau diesem Medium unter diesen Bedingungen. Jede Woche
ein möglicher Abgabetermin. Dann mindestens sieben Tage warten müssen,
bis man Reaktionen liest. Und wieder sieben Tage usw. Nicht zu schnell,
nicht zu aktuell sein, nicht zuviel riskieren müssen.
Selbstverständlich wirkt sich das auf die Form der Texte aus. Erhöht
deren
Ausgefeiltheit. Deren Seriosität. Aber auch deren Halbwertszeit?
Ich weiß es nicht. Wie Georg Oswald sicher bestätigen kann:
Ob Blitzschach oder Fernschach der Amateur verliert immer gegen
den Meister. Aber manchmal kann man einem Amateur zusehen, der beschissen
spielt, und man ist dennoch fasziniert von der Hingabe, mit der er sich
da abquält. Hingabe, Leidenschaft, Intensität. Null. Wo? Hier?
Nein, kein Gelaber, literaturwissenschaftliches Debattieren, kein Chat,
kein Hausfrauentagebuch, bitte nicht.
Aber das, was Oswald im Sinn hat, kann nur in symbiotischer Form entstehen,
da bin ich mir sicher. Einzelleistungen, die sich durch irgendein verbindendes
Element in Mannschaftskunst verwandeln.
WERBEEINBLENDUNG!!!!
RECHTZEITIG ZUR BUCHMESSE ERSCHEINT VON HELMUT KRAUSSER IM BELLEVILLE-VERLAG
MÜNCHEN: KAMMERMUSIK. CD IN LIMITIERTER AUFLAGE.
Als Kinder des Hinterhofs Düsseldorferstraße/München
hatten wir eine
eiserne Regel beim Cowboy&Indianer-Spielen. Wer "vom Pferd"
geschossen wird, der bleibt gefälligst liegen, weil er tot ist, bis
das Spiel vorbei ist, basta. Mit dem nötigen Ernst fängt der
Spaß erst an. Ehrlich, Kollegen.
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