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Von vielem abgelenkt, habe ich seit Monaten versäumt,
für NULL beizutragen; nicht, daß ich glaubte, es wäre
jemandem, vielleicht sogar bedauernd, aufgefallen.
Ich wußte nicht, was ich schreiben sollte und wenn ich manchmal
eine Idee hatte, schwer angetrunken in einer pfälzischen Theaterkantine
sitzend, führte kein Weg an meinen Rechner, weil das Theater immer
schon gegen 22 Uhr geschlossen wird und man sich erst noch beeilen wollte,
auszutrinken.
Seit ich wieder zu Hause in Berlin bin, kann ich mich zu jeder Tageszeit
betrinken, habe also keine Ausrede mehr. Ich habe beschlossen, für
die kurze noch verbleibende Zeit von Null, Texte im Netz, die ich gelesen
habe, zu besprechen. Die Idee kam mir, als ich kürzlich bei den Kollegen
von www.ampool.de vorbeigeschaut habe,
auf ein Lebertgedicht stieß und auf der Stelle und zum ersten Mal
das Bedürfnis hatte, eine Leser-mail zu verfassen. Ich halte sie
für zu komisch, als daß nur Lebert sie lesen sollte, der vielleicht
keinen großen Sinn für Humor hat. Also: wen es interessiert,
der kann das Lebertgedicht unter obiger Addresse nachlesen. S.K.
Netzkritik 1
Lieber Lebert
Ich hatte einmal einen Großonkel, der ein strenger und, die
möglichen, vielleicht sogar wahrscheinlichen, Auswirkungen auf die
Gesundheit seiner Familie betreffend, fast gewalttätiger Kettenraucher
an seinem Neunzigsten Geburtstag eben dieses Rauchen aufgab. Seine
Frau, meine Großtante, hatte ihm nämlich, als er wie üblich
nach der Suppe schnell zwei, drei Zigaretten durchziehen wollte, in den
Arm gefaßt, ihm ins Gesicht geblickt und mit zitternder Stimme aufgefordert,
es zu lassen, nicht zu rauchen "Es muß ihm doch mal
endlich jemand sagen, daß das nicht gut ist!", sagte sie leise
und mehr für sich selbst. Sie meinte die Kettenraucherei, die mein
Großonkel dann ja auch, und entgegen der allgemeinen Erwartung,
sein ließ.
Wir sind ja nicht verheiratet, Lebert, und alt sind wir verheiratet
oder nicht auch nicht. Wir haben auch keine gemeinsamen Verwandten,
die es weitertratschen könnten. Würdest du mir trotzdem erlauben,
dir zu sagen, daß das nicht gut ist, was du schreibst?
Man könnte jetzt großzügig ein- und dann auch gegen meinen
Hinweis wenden, du würdest von gewissen Leuten deswegen zum Schreiben
ermuntert, weil du zumindest mit diesem Gedicht, etwas anderes
kenne ich zum Glück nicht ein Niveau erreichst, das selbst
von diesen Leuten nicht mehr unterboten werden kann, so daß es eigentlich
für jeden Schreibenden immer ein Glücksfall wäre, dich
in seiner Nähe zu haben und ich sollte, als Schreiber dieser Zeilen
an dich, froh sein, daß es dich gibt. Ich will nicht großzügig
sein.
Die Vorstellung, du würdest heiraten, eine Große, eine Kleine,
ganz gleich, und sie, deine große oder kleine Frau, würde dir
dann, an deinem Neunzigsten Geburtstag, an dem du, wie üblich, zwischen
Fisch und Zwischengang schnell zwei, drei Gedichte über Fisch und
Zwischengang, etwa "Mein Fisch" oder "Mein Zwischengang",
schreiben wolltest, erst sagen, daß "es nicht gut ist"
und "das muß ihm doch mal jemand sagen" diese Vorstellung
überfordert die Reservoire meines Zynismus erheblich. Laß das
Schreiben, Lebert. Ehrlich. Du könntest stattdessen zum Beispiel
das Rauchen anfangen.
Steffen Kopetzky
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