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Irgendwo muß er auch heute noch sein, nicht nur seine
Zitate und Werke, sondern er selbst, als Mensch und Persönlichkeit.
Denn laut Hegel ist alles Frühere unverlierbar aufgehoben im Späteren,
also muß Goethe auch in heutiger Substanz unverdünnt vorhanden
sein, sein Geist über den Wassern schweben, wenigstens als Entelechie,
und nicht nur als diese, und sei es auch nur im Sinne Hamlets, der den
edlen Staub Alexanders verfolgte bis dahin, wo er ein Spundloch verstopft.
Denn kein Wesen kann zu Nichts zerfallen, das Ew'ge regt sich fort in
allen, und außerdem kann die Spur von meinen Erdentagen nicht in
Äonen untergehn, d.h. meine durchaus, Goethes aber vorerst nicht
im mindesten oder irrte hier Goethe?
Denn aus heutiger, astronomisch geprägter Sicht wird
ganz ohne Zweifel der Tag kommen, an dem niemand mehr die Zeilen gewisser
froschkalter, von Goethe beeinflußter Untergangspropheten runterladen
oder aufschlagen wird, welche zu lauten pflegen: "Eines Tages wird
der letzte Takt Mozart verklungen sein". Und wenn in zwei Milliarden
Jahren (oder wann das war?) die plotinisch-goethisch augenhafte Sonne
zur Supernova aufschwillt, irdisches Leben samt aller Ozeane verdampfen
muß und perryrhodanhafte Transferierungstechniken zur Verfügung
stehen, wird Ko-Ti, als der er jetzt bereits in Japan heiß verehrt
wird, in den Kulturwerten, die man dann in Nano-Chipgestalt nach Alpha
Zentauri überspielt, kaum noch sich wiedererkennen, zumal dann der
restlos mit sich selber unidentische Ko-Ti in anatomisch ganz anders gebauten
Ohren und Frequenzbereichen bei aller Texttreue im Detail
weiterführende Deformation und Profanisierung erleiden wird.
Wie in jener TV-Reklame, worin über unglaubliche Fjorde
hinweg, über Waldpanoramen, ferne Inseln und erwärmte Buchten,
die in leuchtendsten Sonnenaufgangswolken verschwimmen, über spürbare
Unendlichkeit hinweg monumentale Buchstaben segeln: "'Am Anfang war
die Kraft. Johann Wolfgang von Goethe'. Mit der Verbindung von COLONIA
Versicherung und AXA entsteht die neue Kraft. Für Ihre Sicherheit.
Für Ihr Vermögen. The Future. Together. Now". So schlägt
Turbokapitalismus zwei Brummer mit einer Klappe: Natur (= Fjorde) und
Kultur (= Goethe). Wobei das Wort von der Kraft, womit auch Unox Kraftsuppen
sich hätten schmücken können, von Faust statt Goethe
- gesprochen wird, und auch Faust übersetzt bloß das Johannes-Evangelium,
das zu zitieren aber COLONIA und AXA wohl doch blasphemisch vorgekommen
wäre, und verwirft sofort den Wortlaut dieses Zitats: "Doch
auch indem ich dieses niederschreibe, / Schon warnt mich was, daß
ich dabei nicht bleibe." AXA COLONIA hingegen bleibt dabei, und schon
stammt das Machtwort "Am Anfang war die Kraft" imposanterweise
von "Johann Wolfgang von Goethe". -- "Setz deinen Fuß
auf ellenhohe Socken", sagte Mephisto zu Faust I und gab seinen Namen
her für ein "himmlisch-bequemes Laufwunder" mit MEPHISTO-Komfortausstattung:
"Echtes Naturleder rundum, rutschfeste Spezial-Profilsohle, reine
Latexschaum-Zwischensohle für weiches Auftreten, anatomisch-geformtes
Fersenpolster für besseres Gehen, weiche Polsterung gegen Druck-
und Scheuerstellen und beste Naturmaterialien für ein optimales Fußklima.
Postfach 23 48, Koblenz". In der Selbstdefinition von RITTER SPORT
Schokolade "Quadratisch. Praktisch. Gut" nistet hörbar
das "Edel sei der Mensch, hilfreich und gut" -- und warum soll
sowas weniger berechtigt sein, als wenn Kurt Schwitters Zeile: "Blau
ist die Farbe seines gelben Haares" eindeutig als ein Pfropfreis
auf Mephistos surrealistischem "Grün ist des Lebens goldner
Baum" ausschlug? Also auch so war die hegelianische Aufgehobenheit
goethischer Formulierungen im Hafen heutiger Werbesprache gemeint gewesen,
deren Omnipotenz sich dann sogar auf gutgemeinte Goethe-Aktualisierungen
schlug, wie bei Eckart Frahm, dem Koordinator des HR 2-Funkkollegs "Literarische
Moderne. Europäische Literatur im 19. und 20. Jahrhundert",
1993: "Der Sinnenmensch Johann Wolfgang G. hätte an diesem Funkkolleg
sicher seine Freude gehabt. An Friedrich Schiller schrieb er am 19.11.1796:
'...daß sich der Leser produktiv verhalten muß, wenn er an
irgendeiner Produktion teilnehmen will.' Das Funkkolleg bietet die attraktive
Möglichkeit, sich produktiv verhalten zu können." Soweit
Eckart Frahm. Solcher Ranschmeißerei fehlt jede Distanz -- oder
auch nicht. Denn er war unser! Die gleichnamigen Kugeln der Mozartkugelindustrie
hätten auch Wolfgang Amadeus M. garantiert ganz vorzüglich geschmeckt!
So hat sich Goethe seinen Abstieg vom Olymp nicht vorgestellt,
als er 1956 in Darmstadt auftauchte und sich bei Arno Schmidt, der ihn
heraufbeschworen hatte, ängstlich erkundigte: "Leben meine Werke
noch im Volke?" Doch auch hier bekam Goethe eine Auskunft, die die
ganze Trostlosigkeit jeglichen langfristigen Weiterwirkens offenlegt:
"Aber certainment! In gebildeten Kreisen hört man durchaus noch
manchmal ein 'Das paßt wie Faust aufs Gretchen'; und im Volke hat
sich das andere Zitat, das 'Leckt mich', herrlich eingebürgert!"
Welch hintertückische Untertreibung! Goethe ist natürlich viel
flächendeckender in jeden Volksmund eingesickert, und zwar nicht
nur unauslöschlich, wie es deutschen Klassikern gebührt, sondern
im Zeitalter der Viren so unausrottbar wie wandlungsfähig; denn das
Ew'ge, dieser Sprößling dichterischer Rhythmusnot, regt sich
fort auch an Stellen, wo es zunächst überhaupt nicht sich regte.
Das bleibt nun mal die Tragifarce der Unsterblichen, daß
sie, gepusht von ihren Jubiläen, an denen sofort x Rezipienten andocken,
heut' sogar ich, zeitlebens grausam abhängig bleiben von ihrer Wirkungs-
und Rezeptionsgeschichte, vom Pulk derer also, die sich nachträglich
an große Namen heranmachen, um zu favourisieren, rezipieren, um
ihr bisheriges Goethebild zu komplettieren, zu modifizieren, Goethe zu
rezitieren, wie dies Goetheverehrer Herr Kribulein tut, dessen Goethedeklamationen
sich nicht nur mit "Habe nun ach" begnügen, sondern der
sogar "Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten" am Telefon
auswendig aufsagen kann, und dies mit der ganzen Wärme der Gemütswelt
des neunzehnten und achtzehnten Jahrhunderts, also mit Tränlein im
Aug und emphatisch zitternder Stimme. Immerhin gehört es zum Nachruhm,
daß man nicht nur in den unteren RITTERSPORT- und Leck-mich-Etagen
voll präsent bleibt, sondern auch zielsicher hinaufgelangt in die
nachgeborenen Chef-Gefilde höchsten dichterischen Wollens, bis hinauf
in den "geglückten Tag" des österreichischen Dichters
Peter Handke, allwo die Stelle sich findet: "Wieder einmal Goethes
Spruch war es, daß das Leben kurz sei, der Tag aber lang, und gab
es nicht auch von Marilyn Monroe ein Lied, wo sie sang: 'One day too long,
one life too short...'"
Hauptsache: Goethe lebt -- und läßt sich von
Ko-Ti nicht stören, und von all den Verflachungen, Verballhornungen,
Paraphrasen, Reminiszenzen, unbewußten Fast-Zitaten, Zufallsparallelen,
ohne die ein Nimbus nicht schwillt; und nicht dadurch stören, daß
Goethe jederzeit in die Steinzeit zurückgebombt bzw. von Hightech
überlagert wird. Und selbst wenn das Ew'ge es irgendwann unterlassen
würde, sich in allen zu regen und alle Wesen zu Nichts zerfallen
müßten: Goethe wird überleben, wenn auch als ein anderer,
als der er angetreten. Die innige goethische Gewißheit, daß
die Spur eigner Erdentage nicht in Äonen untergehn könne, hat
darwinistisch überlebt in Darwins survival of the fittest.
Und hierbei ein paar Paradiesvogelfedern gelassen. Goethes Schleichweg
"Ins Gebüsch verliert sich sein Pfad", von Brahms üppig
vertont, verbreiterte sich zur hundertspurigen Autobahn bzw. zum Petersplatz
und der dröhnenden päpstlichen Kosovo-Ansprache zu Ostern, allwo
sich der historische Wüstensohn Jesus so verloren vorgekommen wäre
wie in Bachs Matthäus-Passion, über die Goethe sich lobend geäußert
hat. Also daß Goethe im Zuge seiner bereits erwähnten Rezeptionsgeschichte
in x Goethe-Varianten aufgesplittet wurde und der unter dem Kennwort "Goethe"
subsumierbare Gesamt-Nimbus ins Unbeschreibliche schwoll, bis selbst noch
in Wiesbaden ein Lorbeer-Goethe mit nackter Schulter in Toga neben einem
Bismarckschen Bundesadler zu sitzen kam und es praktisch nirgendwo mehr
neben vollen Parkplätzen ein Haus gab, in welchem Goethe nicht übernachtet
hatte. Man hätte das auch mit einer anderen Gestalt so weit treiben
können. Auch andere Leute kommen viel rum und übernachten irgendwo.
Goethe, das lebend sich entwickelnde Überlebens- und Expansionssystem,
aggressiv wie jene Rhodondendronart, die ganz Britannien knall-lila überzog,
besetzte nach seinem Ableben sogar Gebiete, von denen der historische
Goethe wenig Schimmer zu haben brauchte, mit besitzergreifenden Buchtiteln
wie "Goethe und der Mahayana-Buddhismus" und "Goetherezeption
im Dritten Reich". Goethe drang posthum sogar in arg artfremde Territorien
ein, ganz unauffällig, in die Wortwahl höchstrangiger Politiker
wie Helmut Kohl: "Lassen Sie uns zu großen neuen Ufern aufbrechen,
wenn wir die Ärmel hochkrempeln, dann packen wir das", oder
die Ex-Bundestagsvorsitzende Prof. Rita Süssmuth, die am 50. Jahrestag
der Wannsee-Konferenz die Behauptung aufstellte: "Niemand kann seiner
Geschichte entfliehen" (19.1.92), und siehe, keiner der drei hat
es gemerkt, weder Goethe noch Kohl noch Süssmuth, daß sie symbiotisch
voneinander profitieren und daß sie alle von neuem Tag zu neuen
Ufern gelockt werden, obwohl keiner, laut orphischem Urwort, sich selbst
entfliehen kann. Allenfalls kann man sich an Goethe, falls man nicht selber
Goethe ist, wider Willen hinanranken, um dann aber doch nur bei Zitatverstümmlung
anzukommen -- oder bestenfalls, wie Edmund Stoiber, zur Verleihung eines
bayrischen Verdienstordens, bei ganz bewußter, Bildung raushängen
lassender Goethe-Anspielung: "Von Zeit zu Zeit seh ich den Kanzler
gern, und hüte mich, mit ihm zu brechen." (24.1.94)
Von Zeit zu Zeit las praktisch jeder spätere deutsche
Dichter seinen Goethe gern, welchselbiger also relativ unverfälscht
bis wiederkennbar in den Hirnen späterer Dichterkollegen weiterlebte.
Selten unterließ es ein großer Geist, sich am ungestört
weiterwachsenden Goethe zu messen. Nur halfen all diesen Dichtern ihre
schönsten, kaum noch an Goethe geschulten Verse nicht, aus ihrer
Total-Überschattung durch Goethe herauszugucken. Und selbst Goethe
wurde insofern ein Opfer Goethes, als seine Lyrik dem monströsen
Nimbus Goethes nicht komplett hinterherzuwachsen in der Lage war, so daß
viele Goetherezipienten an der Unsterblichkeit solcher Goetheverse wie
"O Mädchen, Mädchen, wie lieb ich dich! Wie blickt dein
Auge! Wie liebst du mich!" aufrichtig zu zweifeln anhuben und Goethe
mit Recht vom Sockel holten. Wobei es zu immer unproportionieren Verschiebungen
zwischen dem empirestatebuildingartig hinangedrehten Monumental-Sockel
und dem immer kleingemachteren Standbild kam. Goethe aber trat alle Wadenpisser
immer wieder in den Gipsstaub und in die Asche, der der Mammut-Phoenix
pro Semester immer nur noch abgehärteter und unsterblicher enttauchte,
unanfechtbarer denn je, vor allem nicht von seinen eigenen allzumenschlichen
Kehrseiten und Kleinheiten. Denn auch er saß nur dann auf dem Olymp,
wenn er nicht gerade den täglichen Kram seiner Straßenbaukommission
zu erledigen hatte. Inzwischen hat er, der sich rangmäßig
Eckermann gegenüber - noch bescheiden zwischen Ludwig Tieck und Shakespeare
ansiedelte, sogar Dante und Shakespeare dazu verdammt, neben sich geradezu
einseitig begabt und irgendwie unbeweglich und mittelalterlich eingezwängt
auszusehn. Auch Arno Schmidts Plädoyer "Weniger Goethe!"
bzw. "Mehr Wieland!", oder auch das Faktum, daß Goethes
riesiger Wortschatz dreimal kleiner bleibt als Jean Pauls Wortschatz,
neben dem Goethes Wortschatz obendrein von Jahr zu Jahr unaktueller, reiz
- und farbloser wird, perlt am Dichterfürsten Goethe so restlos ab
wie sämtliche Kreuzzüge und Missionierungsgreuel an Jesus. Wobei
übrigens der Büchersammler Goethe bloß 5424 Bücher
besaß. Also immerhin zwanzigmal mehr als Kafka, dafür aber
zehnmal weniger als Ludwig Tieck, und zwanzigmal weniger als Umberto Eco.
So kam auch auf mich, den neunzehnjährigen Vorpraktikanten
und Hermann-Hesse-Leser, die undankbare Aufgabe zu, mich an diesem größten
Dichter der Deutschen, vielleicht am größten Dichter Europas,
wenn nicht gar an einem der größten Dichter sämtlicher
Zeiten und Zonen, neben dem womöglich sogar Hafis, Firdusi und Vergil
rettungslos verzwergten, irgendwie zu messen. Immerhin hatte ich, bis
ich ins Alter des leidenden Werther kam, noch drei, vier Jährchen
Zeit für die Leiden des jungen Holbein, und nebenbei zu ausgiebiger
Goetherezeption. Die Wahlverwandtschaften ackerte ich nur deshalb
geduldig durch, weil sie von Goethe waren. Am Wilhelm Meister,
obwohl auch mir ein Kasperletheater 1959 viel bedeutet hatte, törnte
mich eigentlich nur Mignon an; gleichgültig rauschte der Rest vorbei,
aus dem schopenhauerisch einleuchtend und reinhauend einzig des alten
Harfners für Goethe ganz atypischer Satz hervorstach: "Nichts
ist mir grausamer als Freundschaft und Liebe; denn sie allein locken mir
den Wunsch ab, daß die Erscheinungen, die mich umgeben, wirklich
sein möchten". Ansonsten aber blühten Simplizius Simplizissimus
und Adrian Leverkühn x mal lebenspraller als ausgerechnet Wilhelm
Meister. "Nur, wer die Sehnsucht kennt, weiß was ich leide"
war zwar aus persönlichen Gründen ein überaus nachvollziehbarer
Vers für mich, doch die darauf gereimten brennenden "Eingeweide"
verdarben mir selbst die wunderbar ätherische Schubertvertonung.
Auf einer sechsmonatigen Fußwanderung durch Mignons Italien berauschte
ich mich an den entzahnt schnatternden Kiefern und am kahlen schuldigen
Scheitel meiner Reiselektüre, an der Rattenfänger-Zeile "Und
wären Wiesel mit im Spiele", und an anderer Goethelyrik.
Auch im Gründgens-Faust, der in München seit zwanzig
Jahren jeden Sonntag lief, saß ich gern. Mein jugendlich erschütterter
Busen kam mir ein wenig schmal vor für den Faust, der angeblich in
jedem deutschen Manne brodeln soll. Mein pubertärer Wissensdrang
allerdings verband mich tatsächlich ein wenig mit Faust und Doktor
Wagner. Auch ich konnte nichts wegschmeißen, häufte Urväter-Hausrat
auf, hatte vor dem Famulus sogar das Wissen voraus, daß man diesen
Charakterzug "analen Sammeltrieb" nennen kann. Wagner hingegen
kannte das Ungenügen an solcher Mottenwelt nicht -- im Gegensatz
zu Faust und mir. Haushoch stand ich über Siebel, Altmayer und Valentin,
Faust aber war mir auch nicht so richtig sympathisch, donnerte mir zu
sehr als Choleriker und Maskulinum herum, mit und ohne Will Quadflieg
im Pullover, gar zu abgeschnitten von märchenhaftem Laboratoriums-Interieur
und ohne Bart. Am wahlverwandtesten dünkten mir seine Bekenntnisse,
wie ein unbegreiflich holdes Sehnen ihn getrieben habe, durch Wald und
Wiesen hinzugehn und wie er unter tausend heißen Tränen --
ja, da fand ich mich romantisch wieder, und in seiner Anfälligkeit
für Erinnerungen, in der Osternacht und sowieso. Daß ihn aus
dem schrecklichen Gewühle ein süßbekannter Ton zog und
den Rest von kindlichem Gefühle mit Anklang froher Zeit betrog, da
lag bereits das erst später entdeckte Madeleine-Erlebnis vollgültig
vor, das plötzliche Innehalten und rebirthing anläßlich
süßbekannter Duftnuancen, seitens begüterter Hochsensibelchen
wie Marcel Proust und Hugo von Hofmannsthal, auch schon zur Lutherzeit
bzw. spätestens zur Goethezeit, also vermutlich jederzeit; denn Riechnerv
und Erinnerungszentrum lagen immer schon nah beieinander, aber aus dieser
anatomischen Übereinstimmung gleich spezifische Wahlverwandtschaft
zwischen Faust, Proust und mir herleiten zu wollen, führte doch wohl
entschieden zu weit! Kurz, viel verwandter fühlte ich mich Fürst
Myschkin und Hamlet, wenngleich ich bei diesen beiden wiederum schmerzlich
vermißte, daß sie nie in Wald und Höhle saßen,
um Fühlung mit Brüdern im Busch und silbernen Gestalten der
Vorwelt aufzunehmen. Dies war natürlich meine Lieblingsszene. Distanz-
und respektlos wie Eckart Frahm und Arno Schmidt wühlte ich mich
hinein in den jungen Goethe, bevor dieser zum steifen Greis mit Doppelkinn
gerann, hinein in die kaum gekannte, warme, tiefe, gotische, innere Höhle,
Stube und nächtliche Seele, die ich dann, zusammengedrängt und
verdichtet, in Ernst Blochs Geist der Utopie wiederfand; nur verfälschte
ich halt mir gemäß Wald und Höhle mit taoistisch angefärbten
Assoziationen, bis mein spillerig durchleuchtetes, altchinesisches Ziegenbärtchen
eher an den spirituellen Clown Tschuang Tsi erinnerte als an Murnaus faustisch
blitzumlohten Prophetenbart. Sprachlich überboten wurde Wald und
Höhle sogar noch von der Prosaszene: "Nacht, offenes Feld",
allwo Sturm und Drang rasant nachbebte bzw. bereits Büchner struppig
hervorzubrodeln versuchte, mitten im überall infantil herumknittelnden
Versgeklingel, ohne das der Faust sicher nur halb so populär geworden
wäre, wegen mangelnder Volksnähe. Wäre also Faust noch
besser geworden, hätte er zumindest auf Verse verzichtet wie "Du
lieber Gott! was so ein Mann / Nicht alles, alles denken kann" oder
auch "Sei, Teufel, doch nur nicht wie Brei, / Und schaff einen neuen
Schmuck herbei", dann wäre Faust nicht so zitabel, und also
auch irgendwie nicht so problemlos zu reiner Menschheitsdichtung aufgestiegen,
schien mir.
Mein Lieblingstext neben Faust wurde "Das Märchen",
wegen seiner Irrlichter, und vor allem das Fragment über die Natur.
Die Zeile "Sie freut sich an der Illusion. Wer diese an sich und
anderen zerstört, den straft sie als der strengste Tyrann" traf
prophetisch vorauseilend genau auf Nietzsche zu, der ebenfalls - genau
wie Rilke! - diese dämonische, meta-pantheistische Goethe-Quintessenz,
bei der am Schluß ein paar euphemistische Versöhnungsschnörkel
störten, erwähnte und schätzte, mein jahrelang schwarz
auf weiß nach Hause getragenes, auswendig gelerntes Credo, ehe dann
auch bei mir die Illusion zerstört wurde, daß dieses Fragment
von Goethe sei. So wie ja auch die seligste Mozartrequiem-Stelle, ab Takt
9 im Lacrymosa, ausgerechnet von Franz Xaver Süßmayr stammte.
Nachgelieferte Anmerkungsapparate teilten mir ungerührt mit, daß
das Fragment über die Natur von Georg Christoph Tobler stamme. Ich
recherchierte diesem ansonsten gänzlich unbekannt gebliebenen Tobler
in den Forschungs- und Gedenkstätten in Weimar aufgeregt hinterher;
doch war über diesen Meta-Goethe nichts weiter herauszukriegen, als
daß er Pfarrer war und sonst weiter nichts leistete und schrieb.
Wie konnte ein Nobody goetheartiger sein als Goethe? Später flog
oder wuchs ich dank Hölderlin, Kleist, Jean Paul, Schubert, E.T.A.
Hoffmann, über deren Ablehner Goethe hinaus, den insgesamt nicht
gänzlich genügenden Goethe, später auch nochmal hinein
und schrieb prompt ein Buch über den künstlichen Menschen in
der Kunst, also über Goethes Homunculus, dessen Restposten soeben,
nämlich anläßlich des Goethejahrs 99 für 19 Mark
80, verramscht wird, genau wie Goethes Briefwechsel mit Schiller, den
zu Goethes Lebzeiten bloß 290 Leute kauften, weshalb der Rest makuliert
werden mußte.
Woraus ich aber keinesfalls eine irgendwie geartete Analogie
drehen, vielmehr hiermit beteuern möchte, mit Goethe praktisch überhaupt
nicht wahlverwandt zu sein. Obwohl auch ich mal in Rom war und eine Freundin
hatte, die wie Charlotte von Stein sieben Jahre älter war als ich
und mich in Dreiecksverhältnissen wie zwischen Albert, Charlotte
und Werther bestens zurechtfand. Doch die Reinkarnation Goethes in posthumen
Köpfen -- das will ich nicht mit mir machen lassen. Die oktopusartig
um sich grabschende Überlebensmaschine Goethe bleibt mir unbehaglich,
zumal ich mütterlicherseits tatsächlich mit Lukas Cranach verwandt
bin. Nein, da möchte ich anderen Geistern unbedingten Vortritt lassen.
Außerdem bin ich als Wassermann und Luftzeichen konstitutionell
eher für Ariel statt Erdgeist zuständig, für Schillers
Anmut und weniger Goethes Würde, und stets wie Wolkenkuckuck Schiller,
mit dem ich auch die leptosome Akne-Neigung teile, mit dem Scheitel die
Sterne zu berühren trachte, während doch Goethe eher, um die
Grenzen der Menschheit nicht zu ritzen, auf der wohlgegründeten dauernden
Erde stehen will. Mit markigen, mir äußerst wesensfremden Knochen.
Wobei es rein theoretisch natürlich bei den zuständigen Spiritualisten
noch strittig bleibt, ob sich die Inkarnationsfolge wandernder Seelen
eher streng linear bewegt, so daß also immer die Bodenständigen
wieder als ebendieselben inkarnieren, oder ob genau umgekehrt ein Reißverschlußsystem
vorwaltet, und ich also zwecks karmischer Abwechslung mal als Luftikus,
dann wieder genau umgekehrt als Erdenkloß eingeleibt werde, so daß
also meine heutigen Abweichungen von Goethe überhaupt kein Indiz
wären, daß nicht doch speziell ich in die engere Auswahl käme
bei der Unvermeidlichkeit, fatal an Goethe zu erinnern, ohne vollbürtig
Goethe sein zu dürfen.
Das Fiese an Goethe ist u.a. die Penetranz und pausenlose
Unsterblichkeit, mit der nicht nur seine Dichtkunst auftrumpft, mit 74
Erlkönigvertonungen zwischen 1816 und 1875, sondern vor allem auch,
wie sich Goethes äußere Erscheinung so oft wie möglich
in Erinnerung ruft. Je weniger sich für Beethoven-, Gandhi- und Goetheverfilmungen
je ein wirklich plausibler Gandhi, Goethe oder wenigstens Hitler findet,
an dem selten mehr stimmt als Bärtchen und Frisur, desto öfter
sichten ich und andere auf Jahresversammlungen Evangelischer Akademien,
Volkshochschulen und im Foyer von Internationalen Festspielkonzerten neben
verblüffenden Jaspershäuptern vor allem auch stets wieder ganz
unverkennbare Goetheköpfe meist sehr fortgeschrittenen Alters, exakt
die hochgewölbte Jupiterstirn, den weißen Haarkranz etc. Sobald
man aber einen solchen vor Repräsentanz würdig strotzenden Goetheschädel
anspricht, läßt er bloß Normal-Suada hören. Auch
weicht regelmäßig irgendeine Einzelheit alles verderbend letzten
Endes dann doch gravierend vom Urbild ab. Und mutiert somit ins Hoheitsgebiet
jener Zitate, die grinsend zu verkünden nicht müde sie werden:
"Erreicht den Hof mit Müh und Not, / Der Knabe lebt, das Pferd
ist tot", oder auch: "Warte nur, bald / mach ich dich kalt."
Wobei Goethe, wenn er noch ein paar Jahre auf die Daguerreotypie gewartet
hätte oder heute auf Podiumsdiskussionen seine angeblich gelben und
krummen Zähne spontan loslachend freilegen würde bzw. seine
spätere Porzellanprothese, ebenfalls erheblich von den bekannten
Bildnissen abwiche, genau wie Robert Schumanns Photographie von den bekannten
Öldrucken.
Immerhin tauchten in diesem Jahrhundert soundsoviele Fälle
auf, wo sich die Goethehaftigkeit des anatomischen Korsetts durchaus mit
Künstlertum überlappte, und dies natürlich auf mehreren
Ebenen, also erstmal bei meinem HERKULES-Markt-Blättchen-Austräger
Herr Schmidt, aber durchaus auch bei Prof. Herbert Malecki, meinem Kunstprofessor
auf der HBK Kassel, von dem das vergriffene edition suhrkamp-Bändchen
Nr. 333 stammt, oder bei Komponisten wie Rolf Liebermann, Harald Genzmer
und Wolfgang Rihm, der bereits mit fünfzig so breit und monumental
wie der siebzigjährige Goethe auszusehen wagt, Weltklasse-Pianisten
wie Wilhelm Kempff, die sich nun halt allesamt zu physiognomischen Epigonen
stempeln, während umgekehrt Abraham a Sancta Clara, welcher laut
Martin Heidegger selber frappant wie Goethe aussah, natürlich Goethe
nicht vorauswirkend zum Imitator macht, sondern lediglich als unzureichende
Vorahnung den wahren und einzigen Goethe präludiert.
Formationsmäßig und beruflich Goethe am nächsten
kam Gerhart Hauptmann, als erfolgreicher Bühnendichter, Autobiographieverfasser
etc. Doch wurde ihm der Anspruch, der Goethe des 20. Jahrhunderts zu sein
und zu bleiben, und vorher zu werden, und hierfür auch viel zu tun,
z.B. in eigener Sache sogar eine Mignon zu schreiben und eine Fortsetzung
des Goethemärchens, durchkreuzt von einem noch viel goetheartiger
auftrumpfenden Neogoethe, der sogar seine Nobelpreiskürung mit Goethes
Adligsprechung parallelschaltete und der im gleichen Lebensjahr, in welchem
Goethe sich eine Kutsche leistete, ein Automobil sich zulegte, also geradezu
das Manko, rein optisch eher schmächtig bis geradezu ungoethisch
auszusehen, durch andere, geistigere Analogien ausbalancierte. Wodurch
Mann und Hauptmann förmlich zu Max und Moritz werden in ihrem Ehrgeiz,
Bruchstücke großer Konfession hinzulegen, faustartige Menschheitsdichtungen
wie Joseph und seine Brüder, und also jeweils der wahre aktuelle
Goethe zu sein, statt jeweils nur einer aus dem üppigen Repräsentanten-Wald
derer, die in allen Ländern großangelegt aufsprossen, als Ableger,
Schößlinge, Filialen, Erben, Enkel: der amerikanische Goethe
Walt
Whitman, der norwegische Goethe Henrik Ibsen, der indische Goethe Rabindranath
Tagore u.v.m. Charles Darwin nannte sowas verharmlosend "Variantenbreite".
Goethe nannte sowas ahndungsvoll "Okkupation". Wobei neben Mann
und Hauptmann noch weitere Anwärter herandrängten: Der frühe
Hugo von Hofmannstahl, der laut Karl Kraus mit neunzehn bereits so schrieb
wie der späte Goethe, darf nicht nur der österreichische Goethe
genannt werden, sondern der Mephisto-Überbieter Karl Kraus nannte
Goethe den "Hoffmannsthal des 18. Jahrhunderts", lieferte sogar
eine gereimte, großzügig über Äonen hinwegblickende
Meditation über das allzuwenig ungleiche Pärchen Goethe und
Hofmannstahl:
"Will Hofmannsthal Goethes Entwicklung begleiten,
so wirkt es noch in die fernstesten Zeiten.
Was immer auch dieser jenem leiht,
es reicht für beider Unsterblichkeit.
Müssen die, die späterhin beide lesen,
denn wissen, welcher der Ältre gewesen?
Die hundert Jahre, welche dazwischen,
werden weitere hundert wieder verwischen.
Nach tausend aber ist's schon egal,
ob Goethe oder Hofmannsthal."
Problem halt nur, daß alle diese neueren Goethes zwar stapelweise
wie Goethe unsterbliche Werke schufen, aber keinerlei Zwischenkieferknochen
entdeckten, kein Cello spielten, keine Handzeichnungen lavierten, also
doch wohl ziemlich einseitig als Fachidioten dastanden neben dem Allround-Genie
Goethe. Wenn wenigstens Jean Paul ein paar Gedichte und Tragödien
geschrieben hätte! Doch nein, immer nur Romane und nochmal Romane.
Kurzum: die Nachwelt hat sich geeinigt, daß keiner Goethe und Mozart
an die Schultern reicht. Instinktgesichertes Hitdenken läßt
nichts anderes zu. Erst die Rangordnung im Sozialverband, dann alles andere.
Das sind die Spätfolgen des Monotheismus. Du sollst keine Nebengötter
haben neben mir. In pluralistischen Gesellschaften wachsen aber ständig
weitere kleine und noch kleinere Schreiberlinge und Künstlerchen
nach, und in jedem schlummert ein klitzekleiner Goethe, eine gepanschte
Mixtur aus Fast-Goethe und Mehr-als-Goethe, und keiner darf ausgetragen
werden, und jeder säbelt und doktert an seiner spezifischen Schmalspurigkeit
herum, und keiner bringt den vollen Akkord. Goethe hat allen Späteren
Licht und Luft weggenommen -- was natürlich nicht ganz stimmen kann;
denn er hat heutigen Größen sämtliche Themen des 20. Jahrhunderts
übriggelassen und keineswegs durch kühne Vorwegnahme mustergültig
angetastet: Massenpsychologie, Genozid, Arbeitslosigkeit, globales Müllproblem,
Drogen, Waffenexport, Bodentruppen, Turbokapitalismus. Allenfalls hat
er kurz das Balkan- und Kurdenproblem unverbindlich angetippt, mit der
Stelle von den Völkern weit hinten in der Türkei.
Es wäre also eine komische Wahrheit und - bei ungefähr
gleichbleibender Nährlösung - ein biologisches Unding, wenn
es wirklich mal ein Prachtexemplar gegeben hätte oder geben könnte,
das alle Nachfolger verdammt, Zwerg zu bleiben. Zumal laut Hegel die Bibel
samt Goethe in Joseph und seinen Brüdern durchaus enthalten
ist, nicht aber vice versa. Goethe, Schiller, Hölderlin werden niemals
Joyce, Kafka, Beckett lesen können und also nie erfahren, daß
auch in ihnen ein Joyce, Kafka oder Beckett darauf gewartet hat, vom Industriezeitalter
wachgeküßt zu werden. Wortschatz und Themenradius sämtlicher
Klassiker, von Archilochus bis z.B. Goethe, blieb ärmlich. Drei,
vier Schritte durch die damals noch nicht auseinanderexplodierten Horizonte,
und ein Universalgenie stand gebietend auf. Heute dagegen stoßen
große Momente auf ein kleines Geschlecht. Worauf bereits Schiller
aufmerksam machte. Da Goethe inzwischen zu 94 Prozent aus akkumuliertem
Nimbus besteht, kriegt es seit längerem niemand mehr hin, auch nur
annähernd ein solches sonnenhaftes Auge aufzuschlagen, wie dies der
Nimbus Goethes niemand anderem als Goethe zugesteht. Hundert hochkarätige
Gegenwartsautoren, von Grass bis Goetz, machen zusammen noch keinen Goethe.
Auch wenn dieser in jedem Panoramatiker neu hervorzubrechen versucht,
sich aber bei seiner Goetheähnlichkeit nur lächerlich macht.
Trotzdem muß irgendwo der Goethe des 20. Jahrhunderts
stecken. Dieser kommt da nicht drumherum. Irgendjemand muß ihm strukturell
am nächsten kommen. Hoffentlich nicht Handke. Keiner nimmt hier mit
Ernst Stellung. Da möchte man doch lieber als die Wiedergeburt Vladimir
Nabokovs leuchten, als a tergo vom Expansions-Terrorist Goethe genötigt
zu werden, irgendwie an Goethe erinnern zu müssen oder gar zu wollen.
Mit anderen Worten: Sobald es gelänge, diesseits des Goethe-Nimbus
den Nimbus von ebendiesem Goethe gewaltsam abzupellen, also aus der Christusglorie
den leidenden Jesus hervorzuschälen, steht wieder nur ein einsames
leeres Individuum an seinem Stehpult, in Blochs gotischer, seelischer
Nacht, nicht ohne Gänsefeder, die ewige arme Sau in ihrer konstitutionsbedingten
Begrenztheit, aus der sie, bevor sie abkratzt, sich mit wohlgewählten
Worten herauszumogeln versucht, hierbei einen Panoramablick in die Runde
wirft, und in genau diesem nimbusbefreiten Moment erinnert natürlich
jeder Künstler, vor allem auch der Typus des Stümpers und Möchtegerns,
dann doch wieder irgendwie an -- nun ja - Goethe. Daher Eckard Sinzigs
"Irgendwie erinnert er mich an mich", also jeden an jeden, nur
gleich jeder halt bloß dem Geist, den er begreift. Ach ja, ich bin's
halt nicht. Viel zu wenig von dieser Welt usw. Kein apokrypher Nimbus
wird meine gotischen Nächte mit sparsam gesetztem Scheinwerfer, oder
besser noch: Rembrandtischem Helldunkel verewigen und immerdar und forever
lesebuchfähig machen. Selig, welchen die Götter, die gnädigen,
vor der Geburt schon liebten...schon vor des Kampfes Beginn sind ihm die
Schläfen bekränzt...
Es sei denn, ich ziehe einen Aspekt hinzu, den erst das
20. Jahrhundert auf den Tisch brachte: daß jeder Mensch zu mindestens
94 Prozent mit jedem anderen Menschen vollkommen identisch ist, von seiner
DNS her gesehen, einschließlich Frau und Mann, Papst und Neger.
Wodurch sich die tatsächlichen Unterschiede zwischen Goethe und dem
Rest der weniger begünstigten Geistesriesen bloß im Promillebereich
bewegen. Und wodurch die Frage, wo oder wer Goethe heute sei, letztschlüssig
beantwortet wird: Wenn die Unterschiede zwischen Goethe, Mutter Teresa,
Milosevic und vielen anderen Leuten sowieso weniger als ein Prozent betragen,
dann kann auch ich ohne Anmaßung als neu inkarnierter Goethe auf
mich selber hinweisen, und kein Konkurrenzgoethe oder Goethefan darf bestreiten,
daß ich hierzu nicht berechtigt sei. Auch wenn ich rein optisch
eher Albrecht Dürer ähnlich sehe, jedenfalls mit zwanzig ähnlich
sah. Zumal auch der wiederkehrende Messias heute bloß so suspekt
aussehen könnte, wie Jesus damals tatsächlich aussah. Und zumal
auch Goethe, wenn er heute inkognito wiederkäme, nicht mehr an seine
damalige Fassung erinnern wollen würde, sondern von ihr joyce- und
kafkagesättigt erheblich abwiche, als ein unkenntlich anderer.
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