|
Das Erdbeben hab ich glatt verschlafen lang lebe der Cabernet
Sauvignon aus dem Nappa Valley ... In der Downtown sollen ja die Bürohochhäuser
gewackelt haben; aber weil da eher noch weniger Menschen wohnen, als in
der Mohave, wo das Epizentrum war, dürfte auch da niemand aus dem
Bett gefallen sein. Sieben komma irgendwas auf der Richterskala sind nicht
weniger als neulich in der Türkei. Die Leute hier nennen sowas "Whopper".
Etwas näher dran, und es hätte wohl gereicht allemal
für die Villa Aurora, die auch ohne Beben genug Setzungsrisse im
Mauerwerk hat. Ist eben viel auf Sand gebaut hier. Also Erdbeben war nichts.
Aber Feuer! Neulich den ganzen Tag lang diese geilen amerikanischen Sirenen
(Hi, Julia!): Jie-hau-hlllllll.....Jie-hau-hlllllll bis zur nächsten
Kreuzung, dort Registerwechsel, sehr effektvoll: TrröeTrröe!!
Presslufthupe zum Aufwecken der notorisch schläfrigen kalifornischen
Motoristen. Könnte man auch bei uns gebrauchen, in gewissen Lagen,
Fragen ... Buschfeuer im Mulholland Canyon, keine fünf Kilometer
von hier; Dauereinsatz der gelbroten Fliegerstaffel, knapp über Kopf
zum Brandherd, Wasser marsch, im Uhrzeigersinn zurück zum Pazifik,
wassern und volltanken im Durchstarten, und retour 1A Flugshow.
Haben bestimmt alle im Golf auf Nimitz und Enterprise gelernt ... Dank
des großartigen Conversions-Beispiels blieb Feuchtwangers Villa
samt ihren dreißigtausend Büchern und zwei (am Griff nicht
isolierten ...) Teflonpfannen auch vom Verbranntwerden verschont. Apropos
Teflon: Nach Deutschland rund um die Uhr 13 Cent die Minute, ist billiger
als Hamburg-München. Billig sind des weiteren Wein und Benzin. Alles
andere ist geradezu lächerlich teuer. Trotz fast keiner Steuer auf
nichts was im übrigen zum Bleistift (rot) dazu führt,
daß die Straßen in beinahe unbefahrbarem Zustand sind. Merke:
Die Nationalökonomie kennt nur die Wahl zwischen Steuer zahlen und
Steuer verreißen. Die Globalisierungspropaganda gegen den europäischen
Sozialstaat übersetzt sich für die Masse der Amerikaner so:
Doppelte Arbeit für die halbe Kaufkraft. Na Klasse ... Aber wir Stipendiaten,
fellows genannt, gehören ja zu den Privilegierten: Und so sitze ich
denn in Lions Arbeitszimmer, keine Löwengrube, sondern ein Turm mit
Aussicht nach allen Seiten, gucke auf den aus der Entfernung tatsächlich
friedlich wirkenden Pazifik, und beobachte die Kolibris, die von den Eukalyptusblüten
trinken. Und die Schmetterlinge, groß genug, um Kolibris von den
besten Blumen zu verjagen, oder um minutenlang im Aufwind der Küstenkordillere
zu segeln wie die, na, dingsbums, Südamerika, die großen Greifvögel,
fällt mir jetzt nicht ein. Frage am ersten Tag: Und wie ist die Bibliothek
erschlossen? Antwort: Gar nicht. Macht aber Spaß. Hier ein Marcuse
mit persönlicher Widmung, dort die Lebenserinnerungen des Fürsten
Metternich in französischer Sprache in zwölf Bänden. Muß
ich gleich anfangen ....
Also auf bald, take care, yours truly, Joachim.
|