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Thomas hat mich freundlicherweise aufgefordert, meine Einwände gegen die literarische
Produktion im Internet noch einmal zusammenzufassen. Erstens hat mich das Format nicht glücklich
gemacht. Die Bitte um auf dem Bildschirm lesbare Kurztexte hat meinen Elan gestoppt. Sie schreibt eine
Bedingung vor, die mich nicht ins Schreiben kommen läßt, das, um überhaupt in Gang zu kommen, zunächst
einmal die Offenheit braucht. Dann hat mich ein Aspekt abgeschreckt, den ich das "Aquarium" genannt
habe: Der Null-Autor blinzelt mit stumpfen Augen gegen eine Glasscheibe an, hinter der ihn die ganze
Welt inspizieren kann, ohne daß er von den Vorgängen in ihr viel erfährt. Er ist dieser Öffentlichkeit
in diffuser Weise ausgeliefert; ich zumindest empfinde sie als latente Aggressivität, der sich der rohe
Text in einem frühen Stadium zu stellen hat. Die Konstruktion, Null-Teilnehmer miteinander
kommunizieren, sich sozusagen umschwimmen zu lassen, während die anderen zusehen, erzeugte eine
unheimliche Halbintimität, die beide Beziehungen, die zu den sich gleichfalls exponierenden Autoren und
die zur anonymen Öffentlichkeit, verzerrt hat. Das nächste Abschreckungsmoment des Internets nenne ich
den "Jahrmarkt". Trotz seines asketischen Designs ist auch "Null" von einer hektischen Geschäftigkeit,
von einem Wirbel aus Bildern, Reizen und Lärm umgeben, gegen den die Konzentration ankämpfen muß. Das
Netz war mir sympathischer, als es noch kein Multimedium war. Es ist gewissermaßen vom Fernsehen
überwuchert worden und hat sich seine Ästhetik angeeignet. Zuletzt war es das "Gehege", in das "Null"
einlud, gegen das sich in mir etwas gesträubt hat. Man befand sich in einem kontrollierten Experiment,
alles, was passieren konnte, war im Aufbau schon angelegt, ganz gleich, ob jemand ausstieg, sich
befehdete, flirtete, wechselseitig Texte umarbeitete oder kritisierte, Postkarten hineinstellte,
handschriftliche Briefe verfaßte, Musik anbot und so weiter, all das blieb einer unvermeidlichen
Konditionierung unterworfen. Jedweder Beitrag sagt auch: "Ich schöpfe brav das Medium aus, ich besetze
eine unbewohnte Ecke, ich nehme am Gesamtkunstwerk teil." Da das alles schon in Thomas' Einladung zur
Teilnahme enthalten war und sozusagen die ausdrückliche Bedingung für das Null-Projekt darstellte, will
ich mich keinesfalls beklagen, sondern nur einen verspäteten Erkenntnisprozeß erläutern. Außerdem bin
ich überhaupt nicht sicher, ob meine Einwände nicht nur faule Ausreden sind.
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