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Nach zwölf Stunden Zugfahrt muß ich feststellen,
daß heute, um diese Zeit, nicht einmal ein Taxi zu haben ist, das
mich vom Bahnhof nach Hause fährt. Da ist es mir auch zu blöd,
vom Bahnhof aus nach einem Taxi zu telefonieren, weshalb ich mich an den
Straßenrand stelle, überzeugt, daß irgendein Nachbar
oder Verwandter vorbeifahren und mich erkennen wird. Tatsächlich
bleibt nach kaum zehn Minuten ein Bekannter stehen. Während der Fahrt
denke ich, daß ich besser zu Fuß gegangen wäre. Dann
hätte mir niemand all die vielen Fragen stellen können, Fragen,
die meine Laune nur noch mehr verderben. Bloß nach Hause, rollt
es mir im Kopf. Als der Wagen endlich hält, bin ich kurzfristig so
erleichtert, daß ich dem Bekannten mit beiden Händen die Hand
schüttle und ihm einen sensationell guten Rutsch ins nächste
Jahrtausend wünsche (das ja ohnehin erst 2001 anfängt). Ich
schleppe mich und mein Gepäck in die Wohnung, werfe das Gepäck
auf den Küchentisch, trinke Schnaps aus einem Wasserglas und lege
mich dann voller Zorn ins Bett. Dort schlafe ich rasch ein und träume
davon, daß ich im Verlag feiere. Alle sind sehr ausgelassen, etliche
stark angeheitert. Michael Krüger stößt mit mir an und
fragt mich, wie das jetzt weitergehen soll mit mir. Ich sage zu ihm: Na,
ich will Bücher schreiben. Und wie! Wie ein Seiltänzer, der
über ein Drahtseil geht, daß man die Absätze knallen hört.
Unmöglich! sagt Michael Krüger.
Sie werden schon sehen! sage ich.
Ich wache auf.
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