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| Zero zwei Arno Geiger |
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3.5.1999 | |||
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Dieser Tag ist mir völlig mißlungen. Ich ärgere mich schrecklich, daß ich nicht in Rom geblieben bin. Wie kann man nur so dumm sein. Wie kann man nur. Ausgerechnet. Am 31. Dezember von Rom nach Vorarlberg fahren, ohne daß dort irgendwer auf einen wartet. Das ist dermaßen typisch für mich, daß mir schlecht wird, richtiggehend schlecht. Mir dreht´s das Herz im Magen um, und ich weiß, daß in so einer Nacht nichts hilft. Also lege ich mich, kaum nach Hause gekommen und noch vor Mitternacht, voller Zorn ins Bett. Dort schlafe ich rasch ein und träume davon, daß ich wieder weggehe. Doch anstatt das Haus durch die Eingangstür zu verlassen, trage ich meine Tasche hinauf in den Dachboden, der mit Dingen vollgeräumt ist, vor allem mit kleinen Möbeln und Kinderspielzeug. Das ganze macht auf mich den Eindruck, als ob alles, was hier aufbewahrt wird, für Kinder bestimmt ist. Ich fühle mich gleichermaßen angezogen und weggestoßen von dem Zeug, weiß aber, so oder so, daß ich hier nicht bleiben kann. Nach kurzem Umherblicken bahne ich mir einen Weg durch den Verhau und gelange nach anstrengenden und langen Minuten ans Ende des Dachbodens und dort zu einer kleinen Tür, die es mir aufzustoßen gelingt. Helles Licht flutet in den muffigen Raum, und ich trete hinaus ins Freie, auf eine Wiese, was mich einigermaßen erstaunt, weil man normalerweise nicht vom Dachboden direkt auf eine Wiese treten kann. Leider habe ich keine Zeit, darüber nachzudenken, denn im Davongehen bemerke ich, daß ich von einem wilden, verbrecherisch aussehenden Mann verfolgt werde. Ich möchte ihm entkommen, weiß aber im voraus, was geschehen wird und daß mir die Flucht nicht gelingt: denn der Mann wird mich auf einem anderen Weg überholen, er wird mir auflauern und mich niederschlagen. Obwohl ich das alles weiß, laufe ich so schnell ich kann, vielleicht gelingt es mir doch, dem Mann zu entkommen. Und während ich so dahinjage, denke ich: Deswegen, weil du jetzt so jagst, brauchst du doch kein Herzklopfen zu bekommen, denn es ist alles nur ein Traum. Du brauchst nur die Augen aufzumachen, dann ist deine Flucht zuende. | ||
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