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Ein Held ohne Krieg, wo führte das hin?
Und es gibt ja einige, die auf eine Gelegenheit gewartet zu haben scheinen,
ihre Eignung zum Held unter Beweis zu stellen. Auch unter uns Autoren
meine ich, solche Ambitionen bemerkt zu haben. Eine solche Gelegenheit
war der Krieg, und ich hoffe nur, daß nicht jeder, der darin nicht
zum Zuge gekommen ist, (es noch nicht ganz zum Helden und namentlich in
die Hirne der Verfolger und Betrachter geschafft hat), diesen Krieg jetzt
um seiner eigenen Person willen zwanghaft versucht zu verlängern.
Ich nehme an, daß es diesen einigen schwer fallen wird, das Ende
des Krieges zu ertragen. Ich ertrage es. Und habe derweil darüber
nachgedacht, warum die Kriegssirenen Sirenen genannt werden, wo sie doch
sowenig mit diesen Frauenvogelwesen der griechischen Mythologie gemein
haben. Ich muß gleich warnen: eine Antwort habe ich nicht gefunden,
sonst stünde sie hier. Gewiß, dazu gibt es Texte, von Homer,
über Adorno und Horkheimer bis hin zu Kafka aber das einzige,
das den Sirenen in allen Varianten gemein ist, scheint die Fähigkeit
zu sein, Männer anzulocken, die gerne Helden wären. Helden,
die ihre Stärke an den Sirenen und ihrem vermeintlichen Widerstand
gegen die von ihrem Gesang ausgehende Verführung messen. Auch in
Kriegsgebieten muß das Heulen der Sirenen so etwas wie eine aphrodisierende
Wirkung auf die Flieger haben, die, ähnlich Odysseus, nur
an ihnen vorbeisegeln, im Gegensatz zum griechischen Helden aber ganz
offensichtlich einen Mangel von List aufgewiesen haben. Zudem ist bis
heute nicht geklärt, ob die Sirenen sangen. Ich vermute (wie Kafka),
ihre Waffe bestand in einem Schweigen, einem, das in seiner Beharrlichkeit
Odysseus Ohren nahezu betäubt haben muß, einem, daß
nicht nur Odysseus, sondern auch die Soldaten über dem Balkan um
den Verstand bringt und zu Lügen vor der restlichen Gesellschaft
anstiftet. Ich hoffe nur, daß ihr Schweigen nicht dazu reizt, immer
und immer wieder an ihnen vorbei zu segeln, in der Hoffnung, sie doch
eines Tages singen zu hören und aus der Begegnung als echter Held
hervorzugehen. Der Abschied vom Krieg wird zweifellos insbesondere denen
schwerfallen, die den Mund weit aufgerissen haben und sich ungehört
fühlen. Denjenigen, die keine Helden am Krieg wurden.
Und weil man das Schweigen schlecht mit Worten darstellen kann, stelle
ich Bilder einer Sirene vor.
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