Babajaga
Julia Franck
 

 

 

22.3.1999


 

 

Maschenka besann sich eines Besseren und untersuchte Babajagas Füße. Zwischen den Zehen war es gelb, an der Sohle die Hornhaut so dick und gleichzeitig spröde, daß man nichts sehen noch riechen konnte. Wo hat die Babajaga nur ihr Fleisch versteckt? fragte sich Maschenka und suchte unverdrossen weiter. Ein kleiner Bissen Fußfleisch, sagte Maschenka zu sich, das wäre jetzt genau das richtige. Mit einer Pinzette stocherte Maschenka zwischen Hornhaut und Dreck.
Babajaga unterdessen dachte an Maschenka und den Faulpelz Iwan. Sie konnte sicher sein, daß Iwan auf dem Ofen lag und dort sein Bauchfett warm hielt. Babajaga grübelte, ob sie erst den vorgewärmten Iwan und dann diesen kleinen Nimmersatt Maschenka fressen sollte, oder ob es besser wäre, erst Maschenka mit Iwan zu mästen, um später an Maschenka ein umso köstlicheres Festmahl zu haben. Und so in Gedanken bemerkte Babajaga vorerst kaum das leichte Kribbeln, das Maschenkas Stochern an ihrer Fußsohle verursachte.