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Entgegen allen Voraussagen wird das Jahr 1999 nicht einfach. Wer glaubt,
daß erst mit der konfusionsstiftenden Umstellung sämtlicher
Rechner auf das Datum 01.01.00 all unsere
Probleme beginnen, der irrt gewaltig und sollte von daher nicht weiterlesen,
wenn er sich diese süße Illusion bewahren möchte. Wie
der Verband der deutschen KassiererInnen auf einer Jahrestagung der Gewerkschaft
Handel, Banken und Versicherungen unlängst hervorhob, birgt bereits
das diesjährige Datum allerlei zahlentechnische Tücken für
den Alltag. Allen voran die nicht zu unterschätzende Verwechslungsgefahr
von Ladenpreis und Haltbarkeitsdatum, beispielsweise bei einer 5.99 DM
teuren Dosensuppe, die irreführenderweise bis 4.99 haltbar ist -
oder krasser noch: der Fall einer Konfektschachtel für 14.99 DM,
die der Kunde womöglich ohne Täuschungsabsicht zum lächerlichen
Preis einer Haltbarkeit bis 8.99 ersteht, so geschehen in einem zu trauriger
Berühmtheit gelangten Supermarkt in Kaufbeuren.
Dabei wendet sich die empörte KassiererInnenschaft insbesondere gegen
die landläufige Praxis, etwaige Fehlbeträge, die bei der Inventur
festgestellt werden, den Mitarbeitern vom Monatslohn abzuziehen. Diskutiert
wurde deshalb als Kompromißlösung der Vorschlag, die Supermarktpreise
für die Dauer dieses Jahres einheitlich auf volle Beträge anzuheben,
um dann im Jahr 00 wieder zu den üblichen 99er Sonderangebotstarifen
zurückzukehren und damit gleichsam ein Millenium der Preissenkungen
einzuläuten.
Gegen die versteckten Preiserhöhungen, die damit für das laufende
Jahr drohen, wendet sich wiederum der Verband für Verbraucherschutz.
Er weist in einem Protestschreiben darauf hin, daß sich die meisten
Preise für Billigprodukte unterhalb der Zehnmarksgrenze bewegen.
Aus diesem Grund sei vielmehr zu befürchten, daß mit fortschreitenden
Haltbarkeitsdaten überwiegend der Verbraucher in Nachteil gerät
- man denke nur an die Preisentwicklung der Verfallsmonate 10.99, 11.99,
12.99! Der einfache Kunde hätte damit im weiteren Verlauf des Jahres
eine rasante Inflation in Kauf zu nehmen, die die Grenze des Zumutbaren
überschreite.
Darüber hinaus werden dem Verband der deutschen KassiererInnen erhebliche
Denkfehler nachgewiesen. Es sei davon auszugehen, so die Verbraucherschützer,
daß bereits im Jahr 99 eine große Anzahl von Produkten verkauft
würde - Konserven, Tütensuppen, Gefrierhähnchen oder ähnliches
-, die bis ins Jahr Zweitausend haltbar sind. Bei einheitlichen Vollpreisen
würde das Preis-Haltbarkeits-Problem somit bei längerfristig
haltbaren Produkten von Neuem auftreten und die Transparenz der Preisgestaltung
gerade für die finanziell eher schwächergestellten Tütensuppenkäufer
unter den Kunden nachhaltig gefährden.
Die KassiererInnen reagierten mit Verärgerung auf diese Vorwürfe.
Schließlich hätten sie die Öffentlichkeit überhaupt
erst für das Preis-Haltbarkeits-Problem sensibilisiert. In einem
mit deutlichen Worten geführten Telefongespräch einigten sich
die Verbandsspitzen darauf, einen ranghohen Politiker als Schlichter anzurufen.
Über den Inhalt des zu erwartenden Schlichterspruchs wird noch spekuliert.
Größte Chancen hat ein Alternativvorschlag aus den Reihen der
produzierenden Industrie, der vorsieht, auf Haltbarkeitsdaten in diesen
ungewissen Zeiten gänzlich zu verzichten.
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