Nachhause!
Stefanie Richter
 

 

 

9.8.1999


 

 

Wir wollten zusammen nachtbaden fahren. Beziehungsweise ich wollte, er sollte mir nachbaden wollen. Doch irgendwo unterwegs hat er davon Abstand genommen. Unweit angehalten. Klar, daß ich aufgebracht wurde! Ungehalten machte ich uns abwechselnd Vorwürfe. Ohne ihm nachzustellen, gab ich nicht auf. In ihm sah ich die vollständige Neueröffnung. Wie konnte er da einfach dichtmachen!


Natürlich konnte ich nicht einfach so nachlassen. Und ablassen von ihm wollte ich schon gar nicht. Also bot ich ihm an, mich beim Nacktbaden zu beobachten. Als ob das zuviel verlangt wäre! Doch er wog damals schon mehr als sein Nachbar lieb war und bewohnte nur obenrum. Mich wollte er nicht schonen und übertrug mir die volle Nachsicht. Überdies sagte er mir weiterhin zu, sprach selbst häufiger vom Nachfahren, tat es dann aber doch nicht. Ich wollte seine Leute vorwarnen, ihm nicht länger standzuhalten. Oder ich meinte, man sollte sich ihm hin und wieder her geben. Nicht ich, sondern es ihm zeigen, versteht sich.

Es ist schwer, jemandem etwas vorzumachen, wenn jeder davon nachrichtet. Es ist schwer, sich jederzeit davonzumachen, wenn jener stets dazwischengerät. Es ist besser, nicht davor nachzulaufen, als hinterher die Gründe dafür aufzuzählen. So oder so ähnlich legte ich es ihm zurecht. Ich dachte, früher oder später würden wir einander nachholen. Uns schonend gegenseitig abheben. Ich fand, an uns gab es nichts auszulassen. Was er an mir auszusetzen hatte, gab mir Rätsel auf. Warum er von mir abließ, sah ich nicht ein. Nachtisch kam gar nicht Frage! Er brachte mich nicht nachhause, und das war's.

Warum er mich aufregte? Wie gesagt, eigentlich wollten wir nachgerade zusammenfahren. Doch statt einander anzugehen, ließen wir uns frühzeitig vollaufen. Und statt mich rechtmäßig aufzurufen, vernachlässigte er seine unrichtigen Fähigkeiten. Wichtig war mir schließlich nur, nicht in Versessenheit zu geraten.