Bad in Oslo V
Mirko Bonné
 

 

 

26.4.1999


 

 

Nun gut. Dann klopfte es plötzlich.
"Oh you smell fine. Nice day?" Madeleine Albright war viel größer, als ich erwartet hatte. Ein Bodyguard sah kurz herein, schaute und fragte, ob ich allein sei im Apartment. "Get out of the tub." Die Außenministerin trug ein weißes Kostüm, den legendären getigerten Seidenschal und an ihren Füßen klebten Krokopumps. Die Fesseln wirkten zierlich darin, "Sind das Implantate", hätte man fragen können, als ich aus der Wanne stieg, oder als wir uns setzten, die Beine übereinandergeschlagen. Aber ich traute mich nicht. Und die Außenministerin sah auch schon zur Uhr. "Sie haben in einem Preisausschreiben gewonnen", sagte sie auf deutsch, "Seven Minutes and a Portrait, right?" Ich verbesserte sie: Sieben Minuten sei ein Quiz, kein Preisausschreiben, "es ist eine Spielshow auf der Skandinavien-Fähre. Ich war an Bord und habe gewonnen. Leider!" sagte ich, und dann neckisch: "Leider für Sie!" Madeleine Albright lachte. Aber nur kurz. Über den Couchtisch hinweg reichte ich ihr das eingeschweißte leere Blatt: