Haut écriture (2)
Terézia Mora
 

 

 

17.8. 1999


 

 

Zehn "meiner süßen Geschwister / sind geschrieben, die Schönheit / der Sätze, mit der sie sich hersagten /hat sie hingerafft..." (Falkner)
Ich zitiere. Ich werde zitiert. Herbei, heran. Werde zitiert wie ich zitiere. Und man fragt mich: Wie fühlt sich das an?
Die Schönheit hat mich dahingerafft. Man macht Bilder von mir mit herzigen Auberginenlippen. Man sagt, ich sei kühl und hart, und knippst mir sanfte Augen an. Wie ist es: Schon wieder so eine wie du.
Ich schon wieder wie ich. Ich fahre weg (heim), ich komme zurück (heim). In die Felder unterm Autohimmel ist statt Bäume Großvaters Männerkamm gepflanzt: die schwarzen Zacken zum Himmel, lückenhaft. So sehe ich das. Ich schon wieder wie ich.
Ich bin die Wasserfrau, mein Name bedeutet Dämonin. Man sagt, dies sei mein Schicksalsjahr. Wieder habe ich fast Freunde ans Glück verloren. Doch schließlich verziehen sie's mir.
Überhaupt ist mir die Welt freundlich gesinnt. Meine 88 Treppen bedeuten auf chinesisch doppeltes Geld. Ich wohne in einer Loge, mit Blick aufs Alter: Bäume und Rentner, die zwischen ihnen spazieren gehen. Der Verrückte von neulich zündet jetzt Kioske an. Achtsam umkreisen die Rentner verbranntes Holz.
Ich gehe über verbranntes Gras. Meine Füße schwer, schmerzlich und stabil wie die Hufe des Ackergauls.
Ich wünschte, ich wäre ein Mann, neunzigjährig, achtsam spazierend, mit einem kleinen schwarzen Männerkamm in der Hosentasche, mit dem ich über das kleine weiße Haar streiche, das mir - den Hinterkopf zu wärmen - zwischen den Ohren geblieben ist.


10. August 1999

 

 

 
 

 

 

 

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