JELINEKS LUST LOGEN. Grüße an Kathrin Schmidt
Terézia Mora
 

 

 

15.3.1999


 

 

So haben wir alle unsre Sorgen, wen wir lieben und was wir essen könnten.

Heute Nacht brannten zwei Häuser ganz nah am Haus, in dem ich lebe. Ich lebe noch. Ich wohne auf 88 Treppen an einer Ecke und beobachte aus meiner orientalen Loge, wie die anderen evakuiert werden: aus Wohnungen, Straßenbahnen, ihrer gewöhnlichen Finanzierungsroute. Auch ich kann es mir eigentlich nicht leisten, aus einer Loge zuzusehen.
Die Dachziegel puffen wie Nußschalen, die ich früher ins gemütliche Feuer warf, das ich anzuzünden täglich 17 Uhr nach Hause kam, und das mir nachts um 2 Hitzträume über Vater bescherte, der mir ungebrannte Tonschüsseln zu meiner Hochzeit schenkte, am Morgen danach meinen Morgenmantel trug und sich am Quittenbaum aufknüpfte, mit seinen baumelnden Turnschuhfüßen Furchen zwischen die Erdbeeren zog und lachte.
Brand Nr. 2 entdeckte ich erst, als es ihn nicht mehr gab, als ich durch gepuffte Ziegelschalen auf dem okzidentalen Gehsteig stieg. Ich spürte Jelineks Lust an der Hüfte, eine schönere Ausgabe davon, das Breiwasser aus dem Himmel fiel Weiß auf Schwarzweiß darauf und auf die Lücken der gebrannten Dächer.
Ich bin Wassermann. Man sagt, dies sei mein Schicksalsjahr. Auf der Landkarte des Himmelreichs (für manche meine Handfläche) verbinden sich auf dieser Höhe Lebens- und Schicksalslinie. Das muß nichts Schlechtes sein, sagen die Horoskope, sagen die Handlesekundigen. Ich glaube ihnen. Ich soll mich bei Sturm nicht unter Bäume stellen.
In zwei Wochen ist es mir gelungen, mich finanziell hoffnungslos zu ruinieren. Irgendein Verrückter zündete zwei Häuser an dort, wo ich wohne. Was mag er für Kummer, was für Liebe haben. In Gedanken daran lege ich mir Jelineks Lust zu, was ich nicht tat, als ich mir diese schönere Ausgabe noch leisten konnte. Das Breiwasser fällt in Löschwasserpfützen und in die Lücken der Dächer, die grauen Jogginganzüge an der Wäscheleine, wie schön sie brannten, wie grau sie jetzt nässen. Die USA weigern sich, mir Einlaß zu gewähren, es sei denn ich beweise, ich bin Röckelfüller. Auch die Armen haben ihre Wohnsitze, versichert mir Jelineks Lust. Ich bin Wassermann. Schnecke. Heute ohne, später vielleicht mit Eigengehäuse. Dies ist mein Schicksalsjahr. Das muß nichts Schlechtes sein. In den letzten 2 Monaten habe ich 4 Freunde verloren.
Das Breiwasser fällt in den lieblichen Rattenkanal, in meinen Keller, und nagt den Rost an meine Räder, doch ich habe beschlossen, nichts zu retten. Ich stehe weit über alledem, zu meiner Lustloge führen 88 Treppen, durch die Kronen des Parks schimmern die Roten Laternen der Botschaft der Chinesen. Es ist das Jahr des Hasen. Ich trage meine Augen an den Schläfen, laufe zickzack und finanziere mein Transit durch tief empfundene L.G.-Translation:
Unter furchtbarem Droh- und Rachegeschrei schreite ich durch die Diele und offenbare, daß ich, der Herrscher über die Elemente, die Erde vernichten und den Schutthaufen als Schemel benutzen werde, ich werde mich auf ihn stellen und die Sonne und den Mond berühren, und ich werde in das unendliche All hinausrufen: RETTE SICH, WER KANN!