Dezember: Und Tschüß

 

 

 

6.121999



 

 

Lieber Thomas, anbei mein letzter Null-Text, schrieb vor wenigen Tagen, als es hier in Frankfurt gerade zum ersten Mal in diesem Jahr schneite, Leander Scholz. Ein wenig traurig macht es mich schon, dass Null bald zuende ist, denn ich hatte mich gerade an das Projekt gewöhnt. Es ist tatsächlich fast soweit, das Jahr – unüberschaubar eben noch – vorüber, und so mache ich mich an das letzte Editorial zum Abschied, denn überall im Haus ist man am Packen und die Raketen und Silvesterböller werden sich bald schon durch leere Fenster in stillen Zimmern spiegeln, in denen dann alles wie für immer festgehalten und unveränderlich sein wird: Ein Jahr in Texten. Bald schon ein Buch, das dokumentieren wird, was war. War was? schade dass es nun aus und vorbei ist mit NULL. hat spass gemacht. see you, sabine. NULL ist ein Ort von Stimmen geworden, die mir fehlen werden. Wer will, kann problemlos in ihren Echos die Landschaft jüngerer deutschsprachiger Literatur imaginieren, doch etwas anderes ist es, was mir den Abschied schwer macht: Lieber Thomas, jetzt weiß ich endlich, was ich für Null noch tun kann, mailte gerade noch Herzlich:Dein Kopetzky, und von Aris Fioretos kam die kleine Vormeldung: zwei neue Texte fürs NULL-Projekt kommen demnächst. – Für diese Lust am schreibenden Austausch jenseits ökonomischer Verwertungsmöglichkeiten möchte ich mich bei den Autoren bedanken, weil sie damit NULL tatsächlich für ein Jahr zu einem besonderen Ort im WWW haben werden lassen. Und natürlich danke ich dem DuMont Verlag für sein Engagement, unseren Sponsoren, aber vor allem Harald Taglinger und Jana Hensel, die mich durch dieses Jahr begleitet haben. Und all jenen, die hier waren, um zu lesen. Und grüße die, die in Zukunft zufällig einmal vorbeikommen und durch die stillen Räume des verlassenen Hauses gehen werden, um vielleicht das Laken von einem verhängten Möbel zu nehmen, ein Bild zu betrachten und unsere Gesichter darauf, oder sich selbst in einem der literarischen Spiegel. Ich freue mich auf die Silvesternacht in Glarus, werde mich um 20h vor den Fernseher setzen und die Hiobsbotschaften bzgl. Millenium-Bugs aus dem Pazifik, dann aus Australien, dann Japan, Russland etc. verfolgen . Sei wie immer herzlich gegruesst, stammi bene, Perikles. Ja, Du auch. Und Tschüß.