Prosaischer Ausflug
Mirko Bonné
 

 

 

28.6.1999


 

 

Die Drei, die mich mitnahmen, gebärdeten sich wie gerade noch einmal davongekommen.

Die Wege aufgeweicht, der reinste Softie, das Wetter, meinte das Mädchen, das sie Bunny nannten. Ihr Kollege saß vorn, im Mantel eines Spaniers, dessen Leiche jetzt in einer Benzinlache liege, irgendwo in einer Kranwagenhalle. Der Stoff stank, besonders nachts, wenn sie die Heizung aufdrehten.
Flennen? Aus welcher Zeit ließ sich Erinnerung rausschneiden. Es gab nur Filme, rückwärts lief wenig. Besser, im halb ausgebrannten Toyota auf Schleichwegen fahren und in Ortschaften hinein, wo Tristesse dich anfraß wie Grus wegschmelzenden Pappschnee. Bis Bunny etwas kreischte, was niemand von ihnen verstand, raussprang und den Pappmann vor einer Videothek ansteckte. Vom Grünstreifen zwischen zwei Parkplatzbuchten stoben Insekten auf, sie tanzte, während wir im Wagen nicht einmal zuckten. Mantelmann stieß die Türe auf, stieg aus und trat den verkohlten Kinohelden wortlos zusammen.
Ich fing an zu schreien wie sie, aber philosophierte noch immer von Passage zurück durch den Kanal in die Geburt, und sofort schrie mich der ganze Club still. Durch leergefegte Nester ins Bergland, feucht, knapp unterhalb der Schneegrenze, duftend nach Vegetation. Auf der Suche nach einer Tankstelle mischten sie die Dörfer der Katzenbesitzer auf und zogen es vor (oberste Regel: Sonnenbaden ist für Untote tabu) bei Nacht in der Nähe von Wasser und nur in Etappen zu schlafen, süßlich singende Stimmen im Ohr. Billig. Sie hatten keinen Plan mehr.

Kurz vorm Festfressen der Kolben, kurz bevor wir zum Hafen kamen und im Schatten, den ein verrotteter Frachter durchs Nachmittagslicht auf die Mole warf, hielten, zitternd vor Kälte und Müdigkeit und zwischen den Zähnen die Fäule und rotzigen Witz, kam jemand die Idee mit dem Haus. Für den mit dem Mantel des Toten war die Reise zu Ende, nur weil er das stumpfe Aroma von Leder roch.

Ein Klepper leckte den Regen vom Zaun. Ich sah ein paar große weiße Vögel auf Bäumen sitzen, sie hackten die Schnäbel in den letzten Harsch, als hätten sie eine Wahl. Wir schnitten uns Teller zurecht und hörten wieder zu reden auf. Im Tauschhandel mit den Bauern gingen Schals und Posaunen weg, und der Alte kommentierte die Milch, die Art, wie die Tauben landeten oder eine Frau im Jogginganzug am Campingtischchen Nudeln aß. Morgens kam Bunny in mein Zimmer und wollte mit mir schlafen, wenn ich ihr meine Lederjacke dafür gäbe. Ich gab sie ihr so und sie ging. Im Hof hörte ich den neuen Wagen starten.
Als ich wieder aufwachte, war es still. Licht fiel durchs Klappfenster. Im Garten des Nachbarhofs standen Männer und fotografierten das Gras.