Drei Blicke und ein Opal
Mirko Bonné

 

 

 

8.11.1999


 

 

Auf dem Protestantischen Friedhof von Rom,
untot im Abendland, vogelmüde.
Eine Wolke Mücken in den Bäumen.
Pinien. Schiefe Räume.
Cestiuspyramide.

Grabmalfotos Touribeute.
Gläsern wurde meine Braue.
Alles, alles für das blaue
wirklich wahre Heute.

Hampstead dagegen, in Orwell‘s Room,
Zimmerefeu, Staub auf den Blättern, Kerzen chamois,
im Zug flackernd auf dem Jahre kalten Kaminsims.
Ein Schattenpferd nickte, als hielte ein Reiter sein Tier
zu schnellem Trab an, so lang dort ein Licht war.

Vielleicht Constable, mit strichdünner Fessel. Keats,
dessen Vater vom Pferd fiel und starb vor den Toren
der Stadt. London, das seitdem näherkam, steinern,
auf dem hohen Roß, mit PS durchs Sekundengeäst.

Dagegen im alten Teil von Marseille,
am Hafen die Fähre: Nach Chateau d‘If.
Das Wasser verdreckt. Die Fähre wenig verläßlich.
Kommen Sie Asche auftürmen. Seien Sie häßlich.
Im Wasser, am Bug, schwamm ein Brief.

Wer sollte das lesen? ? Selten war ich so fremd
wie in Marseille. Am Quai des Belges, Quai Belgique,
haben die Männer mich angesehen, als wäre Krieg
und ich aus Bordeaux, mit bordeauxrotem Hemd.

Oder mein Blick in einen Opal auf St. Pauli,
ein Schweißer schweißte einen Schirm
aus Stahlrohren im strömenden Regen
über dem Schulhof vorm Biologieflügel
und hinter den fliegenden Funken stand

am Fenster ein Demonstrationsskelett.
Ort und Zeit waren dasselbe, so
wie Blick und Moment.

 

 

 
 

 

 

 

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