Manchmal denk ich der Hettche
Matthias Altenburg
 

 

 

19.4.1999


 

 

Manchmal denk ich der Hettchethomas würde klingeln und fragen ob ich runterkomme zum Spielen vielleicht ein bißchen Matsche machen im Park und er hätte seine kurzen Lederhosen an wo vorn die Zipfel der Hosenträger ganz rundgekaut sind und hätte sein Holzgewehr dabei und ich meine neue Schleuder könnten wir auch schön rüber ins Seckbacher Ried und bißchen paar Frösche fangen mal sehen müßte man sich eventuell noch paar Spieße schnitzen aus paar schöngewachsenen Ästen einer Weide vielleicht wär auch der kleine Krausserhelmut in der Nähe der dauernd kichern würde bis wir ihn endlich fragen was denn so lustig ist und dann würde er sagen ach wißt ihr ich muß bloß dran denken wie ich früher als ich noch groß war immer so jüngermäßig rumgestrebert hab und dann lachen wir drei mal schön ein Weilchen so in die Gegend weil wir alle dran denken wie doof wir waren als wir noch nicht wieder klein waren weil wir uns immer so literaturbetriebsmäßig dickegemacht haben und der Hettchethomas sagt ja und ich mit meinem Gesumme von den gesichtslosen Stimmen im Netz darf ich gar nicht mehr dran denken Kinder wie lang ist das her Internet ham wir fast schon wieder vergessen und dann kommt der Schulzeingo auf einem Bein dahergehickelt und weiß nicht mehr daß er fast mal sowas wie ein Star war weil Stars würds ja gar nicht mehr geben und alles in allem hätt er das Ganze auch gut überstanden und man würde ihm kaum noch was ansehen und irgendwo streunt der Billermaxim rum und schimpft noch ein bißchen auf uns aber weiß nicht mehr warum weil wir doch nicht mehr so grottendüsterdeutsch sind wie er meinte daß wir sind damit er weiterschimpfen kann und würde rüberkommen bißchen mitspielen und oben auf einem Baum sitzt ganz dünn so daß wir erstmal denken es wären lauter Ästezweige die Bergsybille die wir Bille nennen und sie lächelt und findet uns alle süß und würde dabei ganz und gar nicht so tragischbittersüß lächeln wie so ein bekokster Feuervogel und auch ich wäre schlank und gelassen und hätte keine Angst mehr vor dem Tod und würde nie mehr meinen Lektor Hielscherwieselmartin ärgern nur am Horizont sehen wir einen großen roten Mund der immer ruft ich will auch mitspielen aber weil diese große rote Mund der Krechelursula gehört würden wir alle unsere Köpfe schütteln und nein sagen weil die Krechelursula die einzige ist die wir nie und nimmer mitspielen lassen würden weil sie es einfach nicht schafft wieder klein zu werden sondern verurteilt ist bis ans Ende aller Tage so krechelmäßig die Oberlehrerdichterin zu geben und die es nicht halten kann und allen immerzu erklärt daß sich eine Schulter nicht verkrampfen kann sondern bloß eine Schultermuskulatur worüber natürlich alle lachen und winkewinke machen zu dem großen roten Mund der jetzt am Horizont langsamlangsam verglüht und am Schluß diesen schönen Tages würden wir nochmal kurz in der Lindenstraße/Frankurt vorbeischauen und auf dem Bürgersteig vor dem Suhrkamphaus auf den Händen laufen bis alle Angestellten und Verleger an den Fenstern stehen und die Nüstern blähen vor Staunen und der Meinecke"pop"thomas der ebenfalls dort oben am Fenster steht würde schnell sein verschnarchtes Independentlabel verlassen und ganz leicht zu uns runtergetänzelt kommen auf die sonnige Straße wo wir jetzt Ringelreihen tanzen mit sämtlichen Schusterjungen und Hurenkindern und wo’s ganz egal ist ob was Pop ist oder Literatur oder Leben oder einfach bloß Spaß macht an diesem blauroten Tag der zum Anfassen schön ist und ein bißchen italienisch.
April 1999